vom zauber des nicht-verstehen + dem großen gefühl, zu unterliegen
das dekorative im ganzen eines kunstwerkes ist nicht das anSCHAUen, sondern das verWEILEn. wenn architektur, wie es gadamer sagt, im errichten von massiven zu zwecken aufgebaut ist, dann kommt aus dem dekorteil die emanzipation, die loslösung von diesen zwecken. du gehst diese treppe hinauf, die doch von ihrem zweck geleitet ist, hältst inne, sie hat dich dorthin geleitet, von wo aus das ganze im detail aufgeht, das erleben seiner selbst in einem viel größeren ganzen; hier hat das erleben des eigenen unterlegenseins als glück ein urbild
hören und sich einstimmen dhonau ist mitte der 70er jahre als ein junger philosophie-student in eine vorlesung gestolpert des schon emeritierten professors gadamer, weltberühmt, wie alle sagten, – über hegel. und er war begeistert davon, nichts zu verstehen von dem, was da dargetan wurde – DARGETAN. ein ganz angemessenes wort. denn so ist es immer gewesen um diesen hochbetagten philosophen, der etwas so weit weg von sich und doch aus sich heraus vorbringen kann. in dieser entferntheit allein durch seine stimme vertrauen und nähe zu schaffen. es geht um ENTfernung, um das beseitigen von ferne durch GEMESSENHEIT. und darum auch hat es den jungen studenten nicht beunruhigt, nichts zu verstehen, denn dieses NICHT-VERSTEHEN, dieser problemzauber war es schließlich gewesen, der ihn hat dieses fach wählen lassen. denn VERSTEHEN bedeutet doch im wortsinn, etwas vom STEHEN zum erliegen zu bringen, also auch, durch verstehen die oberhand zu gewinnen. aber als dieser junge philosphie-student wollte dhonau diesem gefühl, unterlegen zu sein, nachspüren. darum ist er in den ersten jahren von einer veranstaltung zur anderen getorkelt mit einer, sagen wir es ruhig, AUFRECHTEN dummheit, einer aufgerichteten dummheit, die doch als waffe sich als so tauglich erwies in einer sphäre des viel-wissens
denn darum geht es auch in dieser so feinen geisteswelt: arena-qualitäten zu entwickeln, sich mit der eigenen unerfahrenheit unterm arm ins große rund zu begeben, um neben dem großen unterliegen hie und da sich zu beHAUPTen. kopf hoch, sagen wir da, wir wollen vorankommen in der disziplin vom sicheren auftreten bei vollkommener ahnungslosigkeit.
sofort wird Ihnen da das stichwort POLITIKER einfallen. sie frönen doch auch dem volkssport der politikerschelte, einer, wie ich finde, äußerst langweiligen angelegenheit. aber es ist schon insofern nicht richtig, die hochinteressante qualität des sicheren auftretens bei vollkommener ahnungslosigkeit mit den so heruntergemachten politikern zu verbinden, denn diese hier ins auge gefaßte eigenschaft soll besagen, daß wir mit unserer vollkommenen ahnungslosigkeit auch das einschließen wollen, was die fähigkeit meint, sich auf NULL zu stellen, um gleichsam in einer annahmeakrobatik sich zurückzustellen auf den zeitpunkt des eigenen weltbetretens, wir sprechen hier also von einer geburtsphilosophie, während doch alles vom ende, dem resultat her sich bestimmt zeigt, was da und dort fleucht und kreucht. zieldenken, erfolgsdenken, zweckdenken, finalität also ist omnipräsent, während aufbrechendes, initiales, geburts- oder sagen wir es mit einem furchtwort: MATERiales denken, das ganz aus der einbezogenheit, aus der einbundenheit, aus einem größten vertrauen kommt, während also solche disponiertheiten in den patriarchal dominierten halslosen stirnsinnigen stierwelten unter wert gehandelt werden ...
während also so ein im MATERialen schwelgendes vorgehen wegen seiner nähe zum CHAOtischen großen mut verlangt, und auch wieder nicht, suchen die ENTSCHIEDENen geister, die auch gebraucht werden, natürlich, den PUNKT, was immer das auch sei. doch der MATERial gestimmte mensch will alles schmecken und riechen und betasten; sucht aus dem eins mit allem sich herauszuschnuppern, geht mit VOR-sicht ans und durchs werk hindurch, beinahe so, als wäre es möglich, drin zu sein und zugleich draußen, wenn Sie wissen was hier gemeint ist, wir jedenfalls wissen es nicht, wir laufen hinter unseren worten her und wundern uns selber, was da alles aus uns heraus und über uns gekommen ist ...
übrigens spricht hier gadamer das dekorative in der kunst an, das in der moderne geradezu als gegensatz zu kunst gehandelt wird. natürlich nicht ganz zu unrecht. gadamer aber sieht das dekorative aus der architektur kommend, aus der heraus sich ja die kunst herausgelöst hat. in diesem ihren ursprung ist für ihn das dekorative das verweilen, das beihergehende genommen sein durch dekor
die gesamtheit aller medien IST die welt; nur daß es hier keinen sinn mehr macht, von gesamtheit zu sprechen, weil das den begriff der abgeschlossenheit beinhaltete. wir kommen so an die grenze der sprache überhaupt. die grenze der sprache aber muß selber ein medium sein, über das wir in einem religiösen sinn "verschaltet" sind. jedes medium aber muß repräsentanzen eines AUSSERHALB in sich tragen, als wollte es sagen: mich gibt es IRGENDWO IRGENDWIE gar nicht. als wollte es sagen: und in diesem NICHT-GEBEN – mit einem anderen wort: in diesem NON-DATUM – liegt meine wahrheit verborgen
die welt gibt es nur als bühne; wer auf die welt kommt, muß seine rolle finden, spielen oder nicht spielen. (das NICHT-SPIELEN, im sinne von verweigerung, ist in dem universalen spektrum der weltbeteiligung nur eine variante von SPIELEN; hier ist übrigens SPIEL kein gegensatz von ERNST. wer auf der weltbühne mit forciert schwacher präsenz auftreten möchte, kann in diesem unterfangen durchaus erfolg haben. d. h. aber nicht, daß er NICHT MITSPIELT; er spielt nur anders – mit)
die welt ist selber das medium, das die information namens WELT (über)trägt
schon der erste satz, der gesprochen wurde, ist vergleichbar dem, was die physiker mit urknall benennen. eigentlich ein ausgemachter schmarrn. so wie es keinen ersten satz gegeben hat, hat es auch nicht ERSTE MATERIE gegeben, in anderer terminologie ausdehnung (in den strukturen von raum und zeit) eher schon war es so, daß eine zeitlose maschinerie ausbrach von zahllosen urknällen. ebenso wie es ein noch zeitloses geschehen gegeben hat, mit dem das erst anhob, was wir heute zeit nennen, und von sich zutragenden prä-formen von sätzen, in denen prä-menschen dabei waren in zahllosen zwischenphänomen von ereignis und geschehen sich in das zu verwandeln, was wir heute menschen nennen. das sind ausdrucksmaschinen; maschinen insofern, als sie gar nicht anders können, als sich auszudrücken, selbst wenn sie gar nichts sagen, sondern zum beispiel nur blöd schauen.
es gibt keinen satz, der nicht zugleich kommentar ist.
wir könnten unter anderen aspekten als den gewohnten von menschen als träger ihrer sätze sprechen. mit jedem satz, den sie dahingeben, sterben sie ein bißchen mehr, obwohl sie im gegenteil das gefühl haben, mit jedem satz, den sie sprechen, sich am leben zu halten, indem sie so ihren tod hinausschieben.
sonntags kommt die erinnerung – in dieser liedzeile offenbart sich der streß, der jeder freizeit innewohnt und alle ereilt, die an der freizeit als freizeit interessiert
sind
daraus folgte, erst wenn Sie, meine herrischen damen, wieder vergessen haben, daß Sie in der freizeit sind, beginnt diejenige erholung, von der wir wissen, welche man oder doch auch frau auf die distanz zu sich selber bringt, von der aus wir uns um das kümmern können, worin wir enthalten sind (vgl. veräußerung / objektbezogenheit). dort (aus dieser objektgefangenheit) wieder herauszufinden, heißt in unserem fall, einigermaßen unbeschadet aus dem urlaub zu kommen, auf den wir uns doch schon womöglich sehr lange gefreut haben werden. gerade arbeitstiere fürchten nämlich nichts so sehr wie einen urlaub, der sich über ein wochenende hinauszieht. — hallo, wo sind Sie? warum sind Sie schon wieder auf der flucht? haben Sie angst, das dicke ende käme erst noch? nämlich der autor als breitseite, welchjenige auf Sie abgefeuert werden könnte.