Donnerstag, 21. September 2017


ein leerer raum ...
kann insbesondere deswegen zur deutung einladen, weil er quasi voll von einem selbst ist. aber. es gibt doch phasen, momente, etappen in jedem leben, die nur noch durch ratlosigkeit beschrieben werden können. oder besser gesagt, die so beschrieben werden könnten, wenn ratlosigkeit als ein resumee überhaupt zugelassen wäre, und nicht nur zugelassen, sondern als der möglichkeit nach wertvoll, – schon insofern sie einen dann entlasten würden von dem zwang, antwort zu geben, von dem wir nicht, nicht völlig oder eigentlich gar nicht befreit werden können.
wir können uns doch nicht in einem augenblick aufhalten, normalerweise; aber wenn wir begreifen, dass der augenblick durchgängigkeit bedeutet, so würden wir es vielleicht verstehen lernen, den leeren augenblick wie den leeren raum zu durchleben. es ist als würde man plötzlich merken, schon unterwegs zu sein, während man noch überlegt, was an gepäck und proviant mitzunehmen sei. dann LÄSST man es einfach besser SEIN. es wird schon reichen, was einem mitgegeben ist, liebe frau I. (und Oh!)








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Dienstag, 19. September 2017


der gipfel des individuellen: der superstar









sehr geehrte frau ischmacheuchfertich!
geben Sie es zu, Sie sind ein verehrer des herrn robert walser, der im diminutiv ("-chen und -lein machen alle dinge fein") sein wahlwohnstättlein hat, wohl weil er denket hat, niemand möcht ihm in seinem quadratmillimeterlein aufsuchen wollen. so hat er vielerlei einladungen auf einem kleinsten zettelein draufg'schrieben, daß die leut stieraugen bekommen haben, wegen den winzlingen von buchstaben, die im ungreifbaren ihr manifestationlein erlangt haben mochten. geben Sie es also, frau kawupptich, zu, daß Sie seiner minimalität robertus walserus anhängen, weil Sie wegen Ihrer allergrößten nähe zum weltenbeherrscher napoleon bonaparte entlastung suchen in seiner, herrn walsers, verschwundenheit.







wir finden, dass der ideologische zentralbegriff der modern kapitalistischen welt das INDIVIDUUM ist;
ein begriff, der freiheit und autonomie sugeriert, unverwechselbarkeit,
großartigkeit und größe, gipfelt in der tendenziell perfekten individualisierung der werbung im netz. wer in einem augenblick ins netz hustet, bekommt im nächsten augenblick schon die vorschläge zur medikamentierung; wer von dicken backen träumt, kriegt alsbald kaufvorschläge von entsprechenden sillikonkissen frei ins haus geliefert. die botschaft ist: auch du, ganz speziell du bist für den markt ein ganz wichtiger teilnehmer. diese verbindung von individuum und größe konterkariert der meister des diminutivs.




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Montag, 18. September 2017


(c) dhonau

von giambologna
raub der sabinerin (1581-83);
[hier bearbeitete aufnahme, in 2 varianten]
marmor, ca 4m hoch
florenz
loggia dei lanzi

(c) dhonau
der gründungsmythos roms enthält die geschichte vom raub der sabinerinnen. der schildert die frauen zwischen denjenigen, nämlich den römern, die sie aus frauenmangel gestohlen hatten, mit denen sie sich arrangiert und verheiratet hatten, und den sabinern, ihren vätern und brüdern, die miteinander im rachekrieg standen.
um das schlimmste zu verhindern, schafften sie einen ausgleich, man könnte sagen zwischen (verlorener) herkunft abstammung und (noch nicht vollendeter) ankunft assimilation. den einen machten sie klar, daß in solch einem krieg ihre männer und kinder sterben, den anderen, daß sie ihre väter und brüder verlieren könnten.

strukturell gibt dieser mythos her, daß involviertheit (verstrickung) unglück heraufbeschwört, aber zugleich das mittel zeitigt, es aufzulösen.

noch mehr vielleicht enthält er die botschaft eines urbanen pragmatismus, kultur zu verstehen als ein arrangement des unvereinbaren auf der grundlage des undenkbaren

der raub der sabinerin
der gründungsmythos roms enthält die geschichte vom raub der sabinerinnen. der schildert die frauen zwischen denjenigen, nämlich den römern, die sie aus frauenmangel gestohlen hatten, mit denen sie sich arrangiert und verheiratet hatten, und den sabinern, ihren vätern und brüdern, die miteinander im rachekrieg standen.
um das schlimmste zu verhindern, schafften sie einen ausgleich, man könnte sagen zwischen (verlorener) herkunft und (noch nicht vollendeter) ankunft. den einen machten sie klar, daß in solch einem krieg ihre männer und kinder sterben, den anderen, daß sie ihre väter und brüder verlieren könnten.

strukturell gibt dieser mythos her, daß involviertheit (verstrickung) unglück heraufbeschwört, aber zugleich das mittel zeitigt, es aufzulösen.

noch mehr vielleicht enthält er die botschaft eines urbanen pragmatismus, kultur zu verstehen als ein arrangement des (scheinbar) unvereinbaren auf der grundlage des (scheinbar) undenkbaren

der raub der sabinerin




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Freitag, 15. September 2017


hä??
(work in progress)

1 zerrissener mann teilt sich mit ...




... auch wenn er nichts sagt. irgendetwas spricht immer aus einem (ihm) heraus, und sei es auch nur die zerrissenheit selber, die so oder so zum ausdruck kommt.
teilung bedeutet eben auch trennung in teile (ob informell oder tatsächlich); in gewisser weise nehmen die teile immer auch etwas mit aus ihrer vergangenheit aus einem ungeteilten ganzen: das ist der urgrund dessen, was wir MIT-TEILUNG (vgl. zellteilung) nennen, nämlich SICH mitzuteilen. der mensch kann gar nicht anders als sich auszudrücken. wir sprechen hier von ausdrucksverhalten im allgemeinen. selbst wenn ein mensch sich verweigert, verstummt und dergleichen, dann ist das ein ausdrucksverhalten, denn selbst die "verstummung" hat ein WIE

in diesem "urgründlichen" sinn ist mitteilung nicht kommunikation; dafür braucht es im weiteren bezogenheit, austausch, auseinandersetzung etc.
dare lat. heißt geben; datum ist also das gegebene; die frage, wem etwas gegeben ist oder wird, setzt das, was gegeben ist oder wird, in den grammatischen dativ
diese personale bezogenheit des datum oder plural der daten zeigt die relativität von dem wie immer gegebenen (von daten).

was wir also modern unter daten verstehen, ist die informelle korrelation zwischen wahrnehmer und wahrgenommenem

was sich als unsere wirklichkeit beschreiben ließe,
wäre die gesamtheit aller daten, die sich uns, allen individuen, wie auch immer mitteilen.

ein individuum ist nur ein individuum, insofern es von anderen individuen unterschieden ist, wie ein gegebenes nur insofern ein datum ist, als es sich von anderen daten unterscheidet; wie bitte? was haben wir da gesagt (bekommen)?


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Donnerstag, 14. September 2017




The Zawinul Syndicate




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Dienstag, 12. September 2017


rodin variationen


(c) dhonau
(c) dhonau
(c) dhonau


Wind aus dem Mond,
plötzlich ergriffene Bäume
und ein tastend fallendes Blatt.
Durch die Zwischenräume
der schwachen Laternen
drängt die schwarze Landschaft der Fernen
in die unentschlossene Stadt.

v. rainer maria rilke


"die unentschlossene stadt" - das ist doch eine eigenartige wendung, "ein tastend fallendes blatt" - irgendwo in eine in bewegung geratene baumwelt segelt verloren, tastend herunter ein blatt wie eine selbstvergessene nachricht auf der suche nach einem empfänger. die schwachen laternen, d. i. eine desorientierte stadt. von individuen ist schon längst nicht mehr die rede. der mensch ist nur noch ein gerücht

die fotographischen bearbeitungen zeichnen sozusagen einen weg vom plastischen zum zeichnerischen nach


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Außerhalb

aller

verfügbaren Welten


"Eines Morgens um acht Uhr stand ein junger Mann vor der Türe eines alleinstehenden, anscheinend schmucken Hauses. Es regnete. »Es wundert mich beinahe,« dachte der Dastehende, »daß ich einen Schirm bei mir habe.« Er besaß nämlich in seinen früheren Jahren nie einen Regenschirm.
In der einen nach unten grad ausgestreckten Hand hielt er einen braunen Koffer, einen von den ganz billigen. Vor den Augen des scheinbar von einer Reise herkommenden Mannes war auf einem Emailleschild zu lesen:
C. Tobler, technisches Bureau. Er wartete noch einen Moment, wie um über irgend etwas gewiß sehr Belangloses nachzudenken, dann drückte er auf den Knopf der elektrischen Klingel, worauf eine Person kam, allem Anschein nach eine Magd, um ihn eintreten zu lassen.

»Ich bin der neue Angestellte,« sagte Joseph, denn so hieß er. Er solle nur eintreten und hier, die Magd zeigte ihm die Richtung, nach unten ins Bureau gehen. Der Herr werde gleich erscheinen.

Joseph stieg eine Treppe, die eher für Hühner als für Menschen gemacht schien, hinunter und trat rechter Hand ohne weiteres in das technische Bureau ein. Nachdem er eine Weile gewartet hatte, ging die Türe auf. An den festen Schritten über die hölzerne Treppe und am Türaufmachen hatte der Wartende sogleich den Herrn erkannt. Die Erscheinung bestätigte nur die vorausgegangene Gewißheit, es war in der Tat niemand anderes als Tobler, der Chef des Hauses, der Herr Ingenieur Tobler. Er machte ziemlich große Augen, er schien ärgerlich zu sein und war es auch. ..."





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Montag, 11. September 2017


aktionskünstler im ruhestand


(c) dhonau




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Sonntag, 10. September 2017


ʇsı llɐɟ ɹǝp sɐʍ sǝllɐ
ʇsı ʇlǝʍ

¿
uǝןןǝʇsɹoʌ
ʇןǝʍ
ǝıp sun ɹıʍ
uǝןןos ǝıʍ

(c) dhonau(c) dhonau(c) dhonau
(c) dhonau
uǝnɐɥɔsuɐ
¿

nɐɹɟ uǝuᴉǝs ɐddɐd ɯǝp ʇ
sᴉ ɐɯɯɐɯ


  139


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Freitag, 8. September 2017


(c) dhonau
(c) dhonau
(c) dhonau
(c) dhonau


Hodler - Jenenser Student - 1908
Ferdinand Hodler


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Donnerstag, 7. September 2017



nietzsche war es, der sich selbst gebar, und er wusste, dass das wahre nicht unbedingt zu identifizieren ist, doch wenn man lange genug redet, kommt irgendwann irgendwo die wahrheit immerhin vor. und deswegen,
meine damenherren!
hören Sie nicht auf, sich in und mit Ihren reden hinauszuposaunen, irgendwann liegen Sie selber auf dem tisch mit dem hebammenbesteck in der hand und schnappen nach luft wie ein neugeborenes kind.

der verrat an sich selbst durch unaufhörliches reden, ist ein urpoetischer akt. denn poesie, wie ein kluger mann gesagt hat, setzt sich aus, schutzlos und allem! (keine ich-AG, aber ein sich unternehmendes ich, oder so ähnlich. damit ist zugleich der gegensatz von passiv und aktiv in ein unbestimmbares feld übertragen und mithin aufgelöst) und ist daher wie ein leben aus sich selbst heraus hinaus hinfort...
˙˙˙ʇɹoɟuᴉɥ snɐuᴉɥ snɐɹǝɥ ʇsqlǝs ɥɔᴉs snɐ uǝqǝl uᴉǝ ǝᴉʍ ɹǝɥɐp ʇsᴉ pun (ʇsölǝƃɟnɐ uᴉɥʇᴉɯ pun uǝƃɐɹʇɹǝqü plǝɟ sǝɹɐqɯɯᴉʇsǝqun uᴉǝ uᴉ ʌᴉʇʞɐ pun ʌᴉssɐd uoʌ zʇɐsuǝƃǝƃ ɹǝp ɥɔᴉǝlƃnz ʇsᴉ ʇᴉɯɐp ˙ɥɔᴉluɥä os ɹǝpo 'ɥɔᴉ sǝpuǝɯɥǝuɹǝʇun ɥɔᴉs uᴉǝ ɹǝqɐ 'פ∀-ɥɔᴉ ǝuᴉǝʞ) ¡ɯǝllɐ pun solzʇnɥɔs 'snɐ ɥɔᴉs ʇzʇǝs 'ʇɐɥ ʇƃɐsǝƃ uuɐɯ ɹǝƃnlʞ uᴉǝ ǝᴉʍ 'ǝᴉsǝod uuǝp ˙ʇʞɐ ɹǝɥɔsᴉʇǝodɹn uᴉǝ ʇsᴉ 'uǝpǝɹ sǝɥɔᴉlɹöɥɟnɐun ɥɔɹnp ʇsqlǝs ɥɔᴉs uɐ ʇɐɹɹǝʌ ɹǝp˙puᴉʞ sǝuǝɹoqǝƃnǝu uᴉǝ ǝᴉʍ ʇɟnl ɥɔɐu uǝddɐuɥɔs pun puɐɥ ɹǝp uᴉ ʞɔǝʇsǝquǝɯɯɐqǝɥ ɯǝp ʇᴉɯ ɥɔsᴉʇ ɯǝp ɟnɐ ɹǝqlǝs ǝᴉS uǝƃǝᴉl uuɐʍpuǝƃɹᴉ 'uǝunɐsodnzsnɐuᴉɥ uǝpǝɹ uǝɹɥI ʇᴉɯ pun uᴉ ɥɔᴉs 'ɟnɐ ʇɥɔᴉu ǝᴉS uǝɹöɥ¡uǝɹɹǝɥuǝɯɐp ǝuᴉǝɯ'uǝƃǝʍsǝp pun ˙ɹoʌ uᴉɥɹǝɯɯᴉ ʇᴉǝɥɹɥɐʍ ǝᴉp oʍpuǝƃɹᴉ uuɐʍpuǝƃɹᴉ ʇɯɯoʞ 'ʇǝpǝɹ ƃnuǝƃ ǝƃuɐl uɐɯ uuǝʍ ɥɔop 'ʇsᴉ uǝɹǝᴉzᴉɟᴉʇuǝpᴉ nz ʇƃuᴉpǝqun ʇɥɔᴉu ǝɹɥɐʍ sɐp ssɐp 'ǝʇssnʍ ɹǝ pun 'ɹɐqǝƃ ʇsqlǝs ɥɔᴉs ɹǝp 'sǝ ɹɐʍ ǝɥɔszʇǝᴉu
Friederich NietzscheFriederich Nietzsche





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???
Edouard Manet 004
Edouard Manet 025


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Dienstag, 5. September 2017


sozialer Wutmarkt


herr von scheußenbach hat eine mordswut. und, und diese, diese wut, äh, ist wie in einem, ist in wie einem konto eingefangen, ja, jaja, und in das immer wieder, immer wieder einbezahlt werden kann, einbezahlt wird, jajajaja, und, jaja, auch tausendzigmal einbezahlt wurde. selten wurde von diesem konto abgehoben. auf die art ist ein beträchtliches supervermögen angewachsen. es stellt sich langsam, aber sicher die frage, ob es endlich aktiviert werden soll, oder als vermögen weitergetragen, weitervererbt. da herr v. scheußenbach keine wutnachfahren hat, könnte das nur durch eine wutadoption weitergegeben werden. es sollte ein junger wutmensch vielleicht sein, der mit solch einem außerordentlichen vermögen umgehen kann. nicht daß ein amokkandidat sich meldet, der vor unausgegebener wut schon kaum mehr laufen kann. besser wäre ein mensch, der selber nur über ein bescheidenes wutkonto verfügt, aber doch immerhin soviel erfahrung im umgang mit der wutwährung hat, daß er in solche außerordentlichen wutdimensionen sich wird einfinden können.
herr von scheußenbach könnte langsam, aber sicher losschreien, weil diese wutsorgen, die er sich da macht, ihm einen derartigen verdruß bereiten, daß er gute lust hätte, sein ganzes wutvermögen auf einen sitz ins netz zu blasen.




herr von scheussenbach   133


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Mittwoch, 30. August 2017


demi-monde

bis

lune-monde



Alfons Mucha - 1896 - La Dame aux Camélias - Sarah BernhardtAlfons Mucha - 1896 - La Dame aux Camélias - Sarah Bernhardt
Alfons Mucha


Die Gartenlaube (1881) 261
Robert Beyschlag


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Homburger Platz 1 Ilmenau
Homburger Platz (Ilmenau)


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