wie aber kann einer einen roman schreiben aus der dienererzählperspektive, als wäre in der anschmiegung an unterordnung, in vermeidung aller ambition, allen wollens, eine möglichkeit zur freiheit versteckt?
ist das nicht widerwärtig? oder ist es widerborstig? — oder ist es das WIDER schlechthin?
aus diesem artikel ein zitat: "Der Roman ist angelegt als ein Tagebuch, in dem der Zögling Jakob seine Erfahrungen im Institut Benjamenta, einer Art Dienerschule, festhält."
sehr geehrte frau ischmacheuchfertich! geben Sie es zu, Sie sind ein verehrer des herrn robert walser, der im diminutiv ("-chen und -lein machen alle dinge fein") sein' wahlwohnstättlein hat, wohl weil er denket hat, niemand möcht ihm in seinem quadratmillimeterlein aufsuchen wollen. so hat er vielerlei einladungen auf einem kleinsten zettelein draufg'schrieben, daß die leut stieraugen bekommen haben, wegen den winzlingen von buchstaben, die im ungreifbaren ihr manifestationlein erlangt haben mochten. geben Sie es also, frau kawupptich, zu, daß Sie seiner minimalität robertus walserus anhängen, weil Sie wegen Ihrer allergrößten nähe zum weltenbeherrscher napoleon bonaparte entlastung suchen in seiner, herrn walsers, verschwundenheit.
das aber dachte der pulpian, als er sich in einer menschenmenge verschwinden sah:
wenn wir uns die welt als einen raum denken, den wir irgendwann einmal - mit unserer sog. geburt - zum ersten mal betreten haben, dann könnte es doch sein, daß wir plötzlich oder auch allmählich von einer neugier erfasst werden, herauszufinden, wie es vordem oder auch: außerhalb dieses raumes wohl ausgesehen habe; und wie wir ihn wohl das erste mal betreten haben? - denn paradoxerweise waren wir doch gar nicht dabei (bei unserer eigenen geburt!!), nämlich als diese bewußte person, die wir uns das alles fragen.
dann könnte in uns in unserer verzweiflung, für diese frage eine brauchbare antwort zu finden, die idee gestalt gewinnen, einfach das ganze szenarium nachzuspielen. wir suchen also irgendeinen ausgang aus dieser welt, um noch einmal durch irgendeine tür von neuem in diese welt zu kommen. lange zeit erproben wir alle möglichkeiten, diese welt experimentell zu verlassen, tatsächlich finden wir hier und dort menschen, die uns eine technik versprechen, diese welt zeitweise verlassen zu können, bis wir eines tages wie nach einem ultratiefen schlaf erwachen und das licht der welt erblicken. holla, denkt es vielleicht in uns, jetzt sind wir also wieder zur welt gekommen, wir schreien und wissen zugleich nicht, ob aus einem übergroßen schrecken oder einer totalen vorfreude, selber die antwort zu SEIN auf all die fragen, die uns da schon wieder entgegenflimmern. holla, sagt eine stimme in uns, und plötzlich scheint uns diese große angst, VER-RÜCKT zu sein, mit einemmal verlassen zu haben, einfach nur: holla! ...
dann stehen wir ohne weiteres auf und bereiten uns ein kleines, aber feines frühstück
depression (IV) das maß des schreitenden und atmenden menschen
das maß, welches in dieser seiner wortbedeutung (wie zuvor schon gesagt) herkommt aus einer indogermanischen wurzel (s. herkunftsduden unter maß), die das messen aus dem gehenden/ abschreitenden menschen bestimmen läßt. der seines atmens bewußte mensch, auch weil der geformte, lautbildende atem sprache, also bewußtsein ist, hat eine rhythmisierende vorgabe, an der sich wie auch immer zu vergehen, eminente folgen zeitigt. so ist etwa ein auf dauer gehetzt-hetzender einer, der sich an sich selbst versündigt. leben heißt unter diesen rhythmus gebenden aspekten des gehens und atmens immer auch EINS AUF DAS ANDERE: SEINEN ureigenen rhythmus zu finden, seiner ureigenen natur gemäß zu handeln, ihr zu geHORCHEN ist vielleicht das stärkste argument, das ein mensch dem sozial-gesellschaftlichen zwang, unter dem wir alle auch stehen (weil wir gesellige und gesellschafts"tiere" sind), entgegenzusetzen haben: denn wir sind in unserer individualität notwendigerweise AUCH a-soziale wesen. eine der wichtigsten kategorien des a-sozialen ist die PHANTASIE. phantasieren heißt auch, dem sozialen zu entgehen, sich (hin und wieder) der gemeinschaft zu entziehen, sich gegen das ALLGEMEINE zu setzen und abzusetzen. durchatmen, mit sich allein irgendwohin gehen, ziellos dahinzuspazieren — das alles ist unter diesem aspekt zu verstehen, daß ein mensch sein maß finden, pflegen, immer wieder neu justieren muß, sonst geht er (sich) verloren
JEDER IST NICHT NUR TEIL EINER COMMUNITY, SONDERN FRÖNT AUCH SEINEN A-SOZIALEN, gemeinschaftsflüchtigen impulsen, das gilt vor allem für die blogger in dieser vor einsamkeiten und verlorenheiten nur so strotzenden blogosphäre, die diese egomanen abgeschnittenheiten sowohl zur darstellung bringt wie zugleich mildert
das bedürfnis, allein zu sein in gesellschaft zu sein, heißt es, habe die WIENER KAFFEEHAUS-KULTUR hervorgebracht. ein wenig davon ist mehr oder weniger in all diesen unseren blogs zu spüren.