der mensch, das maß aller dinge vs. der mensch, das maß seiner selbst
maß wurde hier als kategorie aus der auseinandersetzung mit der depression genannten störung extrapoliert. depression (als zunehmendes phänomen unserer zeit) ist sozusagen eine symptomatische antwort auf die unter beschleunigungseffizienz sich veranstaltende gesellschaft. gesellschaften stehen in globalisierten märkten in sich ständig verstärkenden wettbewerben; die daraus folgende verschärfte mobilmachung setzt galoppierende maßstäbe. man könnte auch sagen: uferlose. das wort maß hat in seiner indogermanischen wurzel die bedeutung des abschreitend messenden. diese urbedeutung gewinnt sich offensichtlich aus der den menschen konstituierenden elementaren form: das ist seine zweibeinigkeit, mithin aus der aufrichtung, dem aufrechten gang, seiner HANDlungsfähigkeit durch die freien, bearbeitenden, greifenden hände und dem blick des erhobenen hauptes. auf dieser urstufe des beginnend menschlichen gibt es noch keine trennung von geist-seele-körper, aber sie hat hier ihren ausgang das gehen, das ent-fernen von abzählend/messend/ abschreitend ins visier genommenen zielen beschreibt das in seiner urform, was wir wahrnehmung, im weiteren messung, erfassung und begriff nennen. so ist das messen noch ganz nah bei der menschlichen physis. mit der zunehmenden stärkeren abstrahierung (=loslösung) und fortentwicklung von dem individuell physisch-psychischen komplex setzt sich ein allgemeines bedürfnis der überlebensanstrengungen der gattung (gegenüber dem individuum) durch: aus abschreitend messenden menschen (= [er]zählenden) entwickelten sich messapparate, mathematik [als grundlage aller messung] bis hin zu den abstraktesten formaten des finanzsystems, in denen sich menschlicher warenhandel darstellt resp. vollzieht. der handel weitet sich aus in aller"entfernteste" produkte, die (sich) jeder beschreibung (entziehen) spotten, sogenannte finanzprodukte, die nicht einmal mehr von den handelnden personen selber verstanden werden. das un(be)greifbare ist hier zum bestimmenden geworden. es gilt nun aber für jeden teilnehmer an diesem allgemeinen mobilmachungswahnsinn mit hinreichend großer immunität oder robustheit teilzunehmen, in anderen worten, auch aus sich und den eigenen möglichkeiten ein maß zu finden, ein "fühl-o-meter" für die eigenen maßGEBlichkeiten zu finden und zu pflegen, der EIGENEN NATUR, der natur, die jeder mensch selber darstellt, vertrauen zu lernen, den letztlich bleibt die natur auch in einem selber immer MÄCHTIG, aber es macht einen gewaltigen unterschied, ob man ihr ausgeliefert ist oder ob man mit ihr sich im gleichklang befindet, dabei reicht ein MEHR-ODER-WENIGER wohl aus
robustheit und waches träumen oder: der starke tagtraum
am ende des prinzip hoffnung von ernst bloch heißt es: "Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat."
wenn das principium das ist, was der wortbedeutung zuvorderst heißt: anfang, dann steckt in dieser urbedeutung vor allem auch das anfang stiftende und auf allen (entwicklungs)ebenen wiederkehrende prinzip – so haben wir einen tieferen begriff, nämlich den blochschen von prinzip, wie er etwa im wort der prinzipienreiterei sozusagen im flachen versandet ist (weil damit ein starres festhalten verbunden ist). principium meint so gesehen auch das aufbrechen in eine neue zeit, etwas, das bestenfalls in träumen 'vorgescheint' war (in anlehnung an blochs kategorie der ÄSTHETIK des VORSCHEINS), das tagtraumhaft aus der kraft eines antizipierenden bewußtseins zur ankündigung gekommen war
die sprache blochs ist besser zu verstehen, wenn wir uns den (literarischen) deutschen expressionismus vergegenwärtigen
auch wenn ich bloch heute, nach vielen jahren der ersten lektüren, kaum noch lesen kann, so ist, davon abgesehen, daß ich in meinen jungen jahren bloch regelrecht verehrt habe, das staunen (auch eine zentrale kategorie in seiner philosophie) über das komplexe phänomen des traums geblieben. das staunen nämlich bewahrt einen davor, sich allzuschnell in bewährte antworten zu verlieren, reflexhaft die gegenstände auf distanz zu halten, deren nähe wir doch eigentlich suchen. so sind viele antworten doch mehr eine abwehr von fragen, mit denen wir leben müssen, schon insofern es für diese fragen, die einen ein leben lang umtreiben, keine endgültigen antworten geben kann. die sprache des traums, in der nicht wir selber zu wort kommen, sondern, wenn wir dieses angestrengte wort aushalten wollen, unser SEIN. es ist, als ob in diesen träumen, insbesondere den sogenannten wach- oder tagträumen, eine welt spricht, wie sie noch nicht ist. (das noch-nicht-bewußte ist eine weitere zentrale kategorie der blochschen philosophie)
träumen im wachen muß nicht nur als wirklichkeitsflucht gesehen werden, die es auch sein kann. träumen, in dem gegenwärtigkeit ist, mit der betonung auf GEGEN, heißt auch einer realität zu WIDERSTEHEN (widerstandsfähigkeit, robustheit), mit der wir uns abfinden sollen, weil das vielleicht für die einen oder anderen von interesse ist.
wir könnten das wort vom wachträumen modifizieren und von wachen träumen sprechen — und die gibt es, solange menschen der freiheit verpflichtet bleiben
so war doch jetzt und allerorten bis zum überdruß von depression aus dem nämlichen anlaß die rede. auch hier auf der DHONAU-seite war das nicht zu umgehen. die relevanz des sich aufdrängenden themas ergibt sich aus den nicht allein aus der selbsttötung robert enkes zu erklärenden trauerexzessen in unserer gesellschaft. hier formuliert sich ganz offensichtlich ein kollektiv-gesellschaftliches bedürfnis. heute soll aber nur indirekt von depression gehandelt sein, und die sprache, deren sich dhonau hier befleißigt, führt schon dorthin, wo ein ganz gegensätzlicher affekt so tiefgreifend veranschlagt ist, daß der titel sprichwörtlich geworden ist: DAS PRINZIP HOFFNUNG von ERNST BLOCH, einem ganz und gar aus der mode gekommenen philosophen, der im stile auch eines großen märchenerzählers durch die geistes- und kulturgeschichte dem phänomen der hoffnung, vor allem auch in seinen politischen implikationen, sammelnd(=[auf]lesend)-deutend auf die spur gegangen war. hoffnung ist für ihn eine ganz und gar vitale und vitalisierende, aktive und akitivierende kategorie, die gelehrt und geübt sein will. hoffnung zielt ins zukünftig-offene – und da ist es sogleich evident, daß in dieser hinsicht die angst (vor dem zukünftig-offenen) eine konkurrentin ist. hoffnung ist für bloch nur im spiel zu halten, wenn sie genährt wird – durch arbeit, in der wurzelung realer umstände. lebensangst, so meint bloch, kann nur durch arbeit ausbalanziert werden, arbeit, so ergänze ich, die auch arbeit an sich selber zu sein hat. hoffnung wächst nur, wenn wir uns weiten können in der auseinandersetzung und dem zusammenleben mit anderen. hoffnung kann nicht anhalten, wenn du allein deinen arsch retten willst, du kannst nicht umhin, eine überindividuelle – riskieren wir den hohen ton: – GROSSE LIEBE auf die eine oder andere für dich zu suchen. obwohl ernst bloch ein marxist war, den der real-existierende sozialismus der DDR aussondern mußte, war er ein philosoph, der sich mit den religionen beschäftigte und der dem "subjektiven faktor" mensch in der politik eine sprache geben wollte. hoffnung ist für bloch ein affekt, der weit über seine umgangssprachlichen konnotationen hinaus grundlegend für den menschen ist, insbesondere auch in überindividuell-politischen zusammenhängen. ohne diesen affekt gibt es den menschen gar nicht. dieser affekt korrespondiert mit dem neuen, auch mit sich verändernden umständen, mit antizipation, mit – wie bloch es nennt – dem NOCH-NICHT-BEWUSSTEN, einer kategorie, um die bloch den psychischen apparat freuds (ich, über-ich, es) erweitert haben wollte. er sah in den klassisch psychoanalytischen begrifflichkeiten nur real-rückwärtsgewandte repräsentanzen. solche, die erklären können, warum ein mensch sich im gewohnten, im schon erhellten, im verstandenen zurechtfindet. warum er aber auch in heraufziehenden nebeln des zukünftigen, des unerforschten, des noch nicht-verstandenen antworten finden kann, kreativ-intuitiv im noch-nicht-begriffenen raum hindurchfinden kann (unter schwer zu beschreibenden umständen, das kann ein freud nicht erklären. bloch war ein weiter entwickelter freudianer, ein durch theologie und philosophie geschulter marxist, der vom traum der großen revolution nicht lassen konnte. einer der großen jüdisch-deutschen intellektuellen des letzten jahrhunderts. ein großer spekulativer geist – und das ist es, was sich ja im begriff der spekulation versammelt: das schauen und das denken ...
wer das dhonau-blog liest und anschaut, wird da und dort entdecken können, worum es hier auch geht: um die aufhebung des gegensatzes von ernst und spiel, um ein denken, das nicht mit ergebnissen aus sich herauskommt, sondern mit (im gelungenen fall) neuen fragen; ein denken, das sich noch selbst überraschen kann und nicht alles nur in den griff bekommen will (kontrollsucht). es geht auch um ein menschsein, das im großen unterliegt und zugleich eingebettet ist: um ein vertrauen in sich selber, das nicht auf die besseren bedingungen wartet, das in der eigenen querstellung (oder: ungenügendheit; oder: unpassendheit) zum allgemein-vereinbarten die anarchische kraft des lebens erkennen kann
hoppela, jetzt soll es aber genug sein mit der hohen tonlage, die führt in die überanstrengung. herunterkommen heißt es: der alltag ruft!
warum bleibt, nach der öffnung der bichsen von der allgebenden pandora, wenn alle die übel, die schon insofern übel sind als sie aus EINEM GANZEN herausgeschnitten und daher von dauernd in betrieb befindlicher anschlußsüchtigkeit sind, warum also bleibet die hoffnung ALLEIN in der bixn zuruck? — weil das der name des unausschüttbaren schlechthin ist: HOFFNUNG IST IMMER DRIN heißt es daher allüberall
individualismus ist eine abendländische technik der hervorbringung von menschen in der gesellschaft: das ergebnis der ORGANISIERTE MENSCH; das so aufgefaßte individuum hat seinen ursprung in der renaissance, dem beginn der urbanen handelszentren, der modernen stadt, dem urbild moderner staatlichkeit, dem handelsrecht, dem bürgerrecht etc. in den mittelpunkt kommt das individuum, das durch erziehung, (aus)bildung, beruf (die arbeitsteilige gesellschaft) die grundlage der OPTIMIERUNG ist. das durch den fußball-WM-motivator KLINSMANN populäre wort, jeden EINZELNEN spieler jeden tag besser zu machen, ist in dieser tradition zu sehen neben dem SEX ist das versprechen der einzigartigkeit (durch verkaufsprodukte) des menschen das am meisten verwendete verkaufsargument. die einzigartigkeit des menschen ist ein anderer ausdruck für individualität. die ausbeutung des menschen durch den mensch findet hier ihre manipulative grundlage ein profifußballer ist teilnehmer einer der umsatzstärksten gewerbe. in diesem geschäft zu avancieren, bedeutet die chance auf eine unglaubliche steigerung von geld, macht und sozialprestige der betreuungsaufwand der besten fußballer hat auf allen ebenen (medizin, psychologie, management (werbung, vertragsgestaltung mit juristisch hochkomplexen inhalten, öffentlichkeitsdarstellung), trainer für alle möglichen einzelnen fachsportlichen bereiche (medizin, taktik, technik etc) ausmaße erreicht, von denen die wenigsten sich eine zureichende vorstellung machen können. der zugriff auf den einzelnen sportler (öffentlich-medial, arbeitgeber, coaching, gesellschaftlich etc) ist schwer auf einen anschaulichen begriff zu bringen, jedenfalls aber ist neben der sportlichen qualifikation die mental-psychologische verfaßtheit des spielers, sozusagen seine sozial-energetische beschaffenheit, von mindestens ebenso großer bedeutung daß in wettbewerbs- und leistungsfetischierten gesellschaften solche krankheiten wie depression solche unfaßbaren steigerungsraten haben, ist vor diesem hintergrund nur allzu plausibel depression ist (auch) eine verarbeitungsstörung von anforderungen, die das individuum zu dem machen, was es sein soll: ein leistungsträger in hochkomplexen funktionsgesellschaften ein irritationsfaktor für solche gesellschaften sind solche individuen, die ihre eigene komplexheit ausleben wollen, die sich dem funktionieren im großen ganzen der gesellschaften verweigern, die einen eigenen begriff von effizienz hervorbringen wollen, die sich in abgrenzung von diesem funktionsganzen bestimmen, die nebennachrichten zur hauptsache erklären etc. robert enke war ein beispiel eines mitglieds dieser leistungsgesellschaft FUSSBALL. er hat seinen wert aus seinem sport gewonnen und wollte zugleich die unmenschlichen konsequenzen dieses geschäfts im persönlich-privaten zur aufhebung bringen – ein paradoxes, hochwidersprüchliches unterfangen; der ideale nährboden für einen psychisch-neurologisch entsprechend disponierten menschen für depression