kachelmann, mein gott was für ein name, was für eine profession: ein wettermann, der kachelmann: da steht er als erster GANZ NORMALER vor der wetterkarte und redet und gestikuliert wie einer, der zeigt, daß da wirklich was vor sich geht, wenn das wetter das wetter ist, daß da ein WIND von links oben nach rechts unten zieht, und er sagt, was das für wolken sind, die sich über uns entladen werden. und dann in diesem alemannisch-schweizerisch gefärbten deutsch, wo alles etwas kleiner rüberkommt, auch die katastrophenträchtigen athmosphärenbewegungen, denen wir ausgeliefert sind. dieser so NORMALE wetterstar, und doch auch einer wie du und ich, ist urplötzlich in die unkontrollierbaren medienwinde geraten und regnet nun alltäglich in seiner NORMALITÄT auf uns herab. es scheint ihn also tatsächlich zu geben, denn es wird von beziehungen zu anderen menschen, insbesondere frauen berichtet. und was da medial aufgeplatzt ist, ist genau diese NORMALITÄT, eine die aus allen nähten platzt. es stellt sich heraus, was eine normale beziehung ist, nämlich so etwas wie ein KUDDELMUDDEL, nur daß dieser ÜBERNORMALE herr kachelmann ein ganz besonderer kuddelmuddelmeister zu sein scheint, der für UNS NORMALE ins gefängnis und durch das gefängnis hindurchgegangen ist, weil wir normale überall ein kuddelmuddel hinterlassen, wo wir beziehungstechnisch gewirkt haben. irgendwie heißt normal sein, die fähigkeit zu haben, an das zu glauben, was wir gerade selbst sagen, zu unseren mitmenschen, daß wir sie lieben, so einzigartig und doch zugleich auch so normal, wie sie da vor uns stehen, liegen und fliegen. manche machen sich nicht rechtzeitig aus dem staub und sind daher unseren liebeserklärungen ausgeliefert. he, kachelmann! wie hieß die eine, die von deiner einzigartigen normalität naschen durfte, und die andere, die von einem ganz NORMALEN leben mit dir träumte, und wieder eine andere, die mit dir übers wochenende nach las vegas fliegen wollte, um von dir dort zu einer frau von kachel gemacht zu werden, hä? wie heißen sie noch gleich alle, die ganzen schlampen ...
mensch kachelmann, wie schaffst du das nur, so relaxt zu sein in allen möglichen und unmöglichen situationen? – und dann umarmst du auch noch deinen knastwächter. der wird zuhause erzählen, wie unglaublich normal alles wird, wenn du irgendwo auftauchst ...
sagen Sie jetzt nichts, sagte der sager, während der zuhörer in das gegenlicht der mittagssonne blinzelte. sie saßen auf einer piazza, die außerhalb italiens gelegen so etwas wie eine exklave war, ein hort für freisinnige, aber angelernte mediterane geister. die piazza, sprach der sager weiter, während der zuhörer in irgendeiner versunkenheit abgetaucht war, die piazza ist ganz aus dem warenhandel und der ursprunglichen vereinigungskraft der christlichen kirche geboren. lebenslust und sterbe-kultur. in der mitte der piazza steht das denkmal (eines gestorbenen) unsterblich berühmten. aber das monument einer (historischen) kirche verleiht der piazza die stabilität, nach der sich alle sterblichen sehnen. diese ewige sehnsucht der menschen, den tod zu überwinden, das ist das feld, das die kirche bewirtschaftet. eine (egal wie kritisch wir uns auch zu den religionen, insbesondere der katholischen verhalten) jahrhunderte alte erfolgsgeschichte — unter dem aspekt der kundenreichweite. der sager sagt das alles so dahin, und der zuhörer segelt auf diesen worten in die zeiten hinaus über die piazza hinweg
jetzt hab ich die ganzen leeren flaschen weggebracht, die sich während der heißen tage dutzendweise angestapelt haben, eine tortur! das anstehen vor den störanfälligen leergutautomaten dauert eine ewigkeit, da stehen auch die flaschensammler an, die etwas zubrot verdienen wollen/müssen, alle sind sie mit riesentaschen bepackt, die mitarbeiter im supermarkt sind schwach motiviert, man kanns verstehen, will es aber nicht, mein gott, da entstehen szenarien wie im richtigen leben, irgendeiner verliert die nerven, der hat ohnehin schon eine rote birne mit säufernase, ein anderer schmeißt entnervt die flasche durch den schacht, weil sie schon zum xten mal retour gekommen ist, man könnte gleich ein wenig alkohol zur allgemeinen beruhigung ausschenken, jetzt sind alle beiden automaten schachmatt, es geht gar nichts mehr, und diejenigen, die schon das gefühl haben, ihr restleben in der leergutabteilung verbringen zu müssen, legen sich resigniert nieder und hoffen auf irgendeine erlösung. ich, der aus den dhonauwassern (eine esoterische flüssigkeit) entstiegen bin, notiere das alles, und phantasiere mich in die vorstellung hinein, als seelsorger für supermarktkunden zur weltrettung beizutragen.
können SPRACHEN SPRECHEN? diese frage hat in etwa dieselbe bedeutung wie diejenige, ob es GEIST unabhängig von einem subjekt gibt, den absoluten geist, ob es also (den) GEIST Ü B E R H A U P T (sozusagen über allen häuptern) gibt, ob es einen von allen "GEIST-TRÄGERN" befreiten GEIST gibt? gibt es also die oder eine von allen sprechern befreite, sich selbst sprechende sprache? damit sind wir in eine nacht verwiesen, aus der wir alle kommen und in der wir alle wieder verschwinden werden. in dieser nacht scheinen "sonnen", von denen wir nur TRÄUMEN können, nicht wahr?