(hvs-59) DER MENSCH STINKT — UND ALSO MUSS ER ZUM INDIVIDUUM PARFÜMIERET WERDEN
einmal war der herr von und zu und freiherr scheußenbach aus dem nämlichen furt scheußenbachhaußen in dero zeit, wo alle welt gestunken und gelogen war, fabrikant gewest von duftstoffen und aromen und riechfläschen aller art. so wurde er von seinem produktionsmeister eines tages in loher aufregung heimgesucht (!) in seinem uffizio (wo er seinen kreativschlaf alle tag erledigte), weil sich die stinkbürger anscheinend anfingen zu weigern, seine teuren parfüme aufzutragen und wieder dabei waren nach ihrer eigenen widerwurznatur individualgerüche zu verbreiten. der freiherr war bei der ereilung dieser nachricht alsogleich außer sich. er schrie den meister an, wenn die jetzt wieder nach sich selber riechen — weiß er, was das heißt? — das heißt sie werden alsbald STINKEN!!
einmal war mir langweilig, sagt herr von und zu scheußenbach aus scheußenbachhaußen, hallo! wissen Sie, ich bin seit ich denken kann (bitte jetzt an dieser stelle keine geistreichen apropos-einwürfe), bin ich darum bemüht, das einzuüben, was im allgemeinen als der NORMALE MENSCH im umlauf ist. denn das größte glück für einen freiherrn von und zu (wie meiner einer) wäre, als einer von euch in eurer mitte zu weilen. und wenn ich sage, mir ist heute so langweilig, dann weiß ich nicht wirklich, wie sich das anfühlt. gefühle nämlich wurden in unserem stammbaum nicht hervorgebracht. für uns ist ein gefühl etwas, das wir uns umhängen, mit dem wir uns schmücken, oder dessen wir uns als kriegsutensil bemächtigen. des wegen gilt das hier, was wir in einem tv-kommentar zu ehemaligen moderatoren gefunden haben:
"diese damaligen moderatoren leisteten doch großartiges (ebenso wie die heutigen). es ist schließlich der gesellschaftliche auftrag des fernsehens, die bevölkerung mit dem "schwachsinn" zu beliefern, den sie offensichtlich braucht - zum beispiel, um die tägliche ration abschimpfen zu können. das sogenannte anspruchsvolle fernsehen, was immer damit gemeint ist, bedient seine zuschauern mit eben den floskeln, die dafür als anspruchsvoll vorgesehen sind. verblöden kann man schließlich auf jedem niveau (auch dem höchsten). und der weltmeister unter den "quotennutten" (den titel hat er sich wohlgemerkt selbst gegeben) ist gottschalk, der die bevölkerung dauernd mit der nachricht zu beruhigen hat, daß diese von ihm jeweils präsentierten stars irgendwo auch menschen sind wie du und ich, und daß wir (mit unseren seltsamen, aber wettfähigen) hobbies letztlich IRGENDWO alle verrückt sind. deswegen läuft er auch rum wie ein uhu, dem der klassifizierungsscheiß egal sein kann, weil er ja von beruf nur gottschalk zu sein hat, und nicht wie ein weinfurts, der die nachricht transportiert, daß wir es alle schaffen können - ins fernsehen hinein und gleich wieder raus ..."
langeweile? was is das? waaas?! ... ja, plötzlich, du weißt nicht wie, bist du aus dem tempo heraußen, wie die halbösterreicher sagen, wenn's von irgendwas heruntergekommen sind und unvermittelt oder "situationsentzogen" herumsitzen und die innere "musik", die eigenmusik von gedankenfragmenten ins bewußtsein kommt – wie ein link, der in die eigene "site" führt. wenn zudem sich ein fenster aufschlägt und ein objekt durch diese verfremdung in die welt der nicht beantwortbaren fragen führt, wenn von diesem objekt alle zwecke abgefallen sind, dann wird die zeit lang und länger, wir stehen draußen und drin zugleich. die frage, was tun?, verliert an brisanz ...
(hvs-56) herr v. u. z. scheußenbach und sein butler der hydrant
herr von scheußenbach fühlt sich heut wieder so was von VON, daß er dem journalisten des sommerlochs in die feder spricht, daß er der inbegriff von abstammung ist: wissen Sie, herr sowieso, obwohl Sie das nicht wissen Ihrem gesichtsverlauf nach zu schließen, ein VON zu sein ist verpflichtung nach landläufiger vorstellung. einen granden wie mich aber, dem selbst ein zustand äußerer verwahrlosung nichts von seinem nimbus nehmen kann, bedeutet abstammung und herkunft letzten endes freisetzung von allen bürgerpflichten. natürlich halte ich die gesetze dann und wann ein, nur um zu dokumentieren, daß ein von scheußenbach jederzeit in der lage ist, wie du und ich zu sein. an manchen tagen findet er das gewand der normalität durchaus kleidsam. er sagt zu seinem butler, dem hydranten in der nachbarstraße, den er für diesen dienst auserkoren hat: johann, es ist das recht des vornehmen, vollkommen blöde aus seiner wäsche zu schauen, intelligenz ist ein wert, der gerade in den untersten schichten wie ein trostpreis herumgereicht wird. dieser zwang, mit einem wissenden gesichtsausdruck durch eine welt zu laufen, die nichts als prüfung ist, mein gott, das ist was für idioten. in meinen kreisen ist etwas nicht zu wissen, ehrensache. noch schlimmer sind diese menschen, die andauernd an etwas herumschrauben, ingenieure nennen sie sich glaube ich, die dauend mit sachverständigen schnuten unterwegs sind. nein, ein von und zu scheußenbach weiß nichts und kann nichts. aber, sagt der seinem diener, dem hydranten, dafür haben wir butler, die alles können und alles wissen, arme existenzen, die aber immerhin ein leben in selbstbestrafender zurückhaltung gewählt haben, um ganz ohr sein zu können für die nutzlosen philosophien ihreS herrn und meisters, freiherr von und zu scheußenbach: man müßte ihnen unentwegt danken, wenn das danken nicht eine sache wäre, die was für einfache gemüter ist, die andauernd zuspruch brauchen. johann, der hydrant zum beispiel haßt es, explizit überhaupt erwähnt zu werden. es ist diese seine namenlosigkeit, die ihn adelt. aber noch ist es nicht so weit, noch hat er ein bißchen was von dem, was diese bürgertrottel PERSÖNLICHKEIT nennen.