(hvs-55) herr v. u. z. scheußenbach und sein bruder dog der diogenes (bellbell)
"ihr macht mich müde, sehr sehr müde", sprach der freiherr von und zu scheußenbach in seine stadt hinein und ließ sich alsdann souverän in die gosse fallen. von dort erhoben sich provokante laute des wohlbefindens. sein bruder, der als dog der diogenes ein performancekünstler in der nachbarmetropole quasi nichts macht, führt ein leben für alle und niemanden in einem riesenschuh und stinkt, wie er per virtu-flyer verkündet, fröhlich vor sich hin. mittlerweile pilgern die menschen zu ihm hin und nehmen den an sich unerträglichen gestank als frohe botschaft und suchen ihn um rat auf. neulich soll ein berühmter präsident bei ihm vorgesprochen haben, der ihn wegen seiner für ihn unschädlichen berühmtheit auszeichnen wollte durch einen orden oder ähnliches. der dog diogenes bellte ihn an, was der mächtige mann als zeichen großer freude ansah. nun, sprach der dog, bellbell, du wolltest mir doch wohl eher sagen, ich hätte einen wunsch frei. "ja, äh, richtig", antwortete der präse, "da hast du recht. also, wonach gelüstet es dich?" der dog antwortete, bellbell, ohne zu lange zu zögern und wie von der leine gelassen: "bau mir einen supermotor in meinen schuh, damit ich noch schneller auf ein und derselben stelle herumfahren kann, denn meine meisterschaft ist, wie du weißt, die schnelle bewegung in der verharrung". da lachte der präse mit dem dümmsten gesicht, zu dem er in der lage war. soviel respekt mußte sein. dann fuhr er in dem spielzeugauto seiner kindheit ... brummbrummbrumm ... in seine weltmachtnacht hinaus
ja, was hat denn der dhonau da für ein leicht entfesseltes übungsstücklein zum begriff des NORMALEN abgeliefert? (s. vorigen eintrag) und das ausgerechnet zum medienschrottthema KACHELMANN! aber es bleibt dabei, es geht hier neben der frage, hat er oder hat er nicht, lügt die eine oder andere oder nicht, doch auch darum, daß es irgendwie irgendwo auch normal zu sein scheint, daß beziehungen nicht nur gelebt, sondern auch KONSUMIERT werden. wer in den supermarkt der beziehungsangebote hineingeraten ist, der denkt, mein gott, wahnsinn, was es alles gibt, und denkt alsbald, mein gott, wie mich all die schönen produkte anlächeln, die finden mich scheinbar unwiderstehlich, die gehören eingewickelt und rausgeschleppt. UND DAS IST DAS NORMALE, auch wenn wir uns noch so weit weg von dieser sagen wir mal kachelmannwelt wähnen. kaufen, reinbeißen und wegwerfen ist dann normal. denn schnell schmeckt alles schal, was aus einer welt der unendlichen versprechungen herausgeschleppt wurde.
kachelmann, mein gott was für ein name, was für eine profession: ein wettermann, der kachelmann: da steht er als erster GANZ NORMALER vor der wetterkarte und redet und gestikuliert wie einer, der zeigt, daß da wirklich was vor sich geht, wenn das wetter das wetter ist, daß da ein WIND von links oben nach rechts unten zieht, und er sagt, was das für wolken sind, die sich über uns entladen werden. und dann in diesem alemannisch-schweizerisch gefärbten deutsch, wo alles etwas kleiner rüberkommt, auch die katastrophenträchtigen athmosphärenbewegungen, denen wir ausgeliefert sind. dieser so NORMALE wetterstar, und doch auch einer wie du und ich, ist urplötzlich in die unkontrollierbaren medienwinde geraten und regnet nun alltäglich in seiner NORMALITÄT auf uns herab. es scheint ihn also tatsächlich zu geben, denn es wird von beziehungen zu anderen menschen, insbesondere frauen berichtet. und was da medial aufgeplatzt ist, ist genau diese NORMALITÄT, eine die aus allen nähten platzt. es stellt sich heraus, was eine normale beziehung ist, nämlich so etwas wie ein KUDDELMUDDEL, nur daß dieser ÜBERNORMALE herr kachelmann ein ganz besonderer kuddelmuddelmeister zu sein scheint, der für UNS NORMALE ins gefängnis und durch das gefängnis hindurchgegangen ist, weil wir normale überall ein kuddelmuddel hinterlassen, wo wir beziehungstechnisch gewirkt haben. irgendwie heißt normal sein, die fähigkeit zu haben, an das zu glauben, was wir gerade selbst sagen, zu unseren mitmenschen, daß wir sie lieben, so einzigartig und doch zugleich auch so normal, wie sie da vor uns stehen, liegen und fliegen. manche machen sich nicht rechtzeitig aus dem staub und sind daher unseren liebeserklärungen ausgeliefert. he, kachelmann! wie hieß die eine, die von deiner einzigartigen normalität naschen durfte, und die andere, die von einem ganz NORMALEN leben mit dir träumte, und wieder eine andere, die mit dir übers wochenende nach las vegas fliegen wollte, um von dir dort zu einer frau von kachel gemacht zu werden, hä? wie heißen sie noch gleich alle, die ganzen schlampen ...
mensch kachelmann, wie schaffst du das nur, so relaxt zu sein in allen möglichen und unmöglichen situationen? – und dann umarmst du auch noch deinen knastwächter. der wird zuhause erzählen, wie unglaublich normal alles wird, wenn du irgendwo auftauchst ...
sagen Sie jetzt nichts, sagte der sager, während der zuhörer in das gegenlicht der mittagssonne blinzelte. sie saßen auf einer piazza, die außerhalb italiens gelegen so etwas wie eine exklave war, ein hort für freisinnige, aber angelernte mediterane geister. die piazza, sprach der sager weiter, während der zuhörer in irgendeiner versunkenheit abgetaucht war, die piazza ist ganz aus dem warenhandel und der ursprunglichen vereinigungskraft der christlichen kirche geboren. lebenslust und sterbe-kultur. in der mitte der piazza steht das denkmal (eines gestorbenen) unsterblich berühmten. aber das monument einer (historischen) kirche verleiht der piazza die stabilität, nach der sich alle sterblichen sehnen. diese ewige sehnsucht der menschen, den tod zu überwinden, das ist das feld, das die kirche bewirtschaftet. eine (egal wie kritisch wir uns auch zu den religionen, insbesondere der katholischen verhalten) jahrhunderte alte erfolgsgeschichte — unter dem aspekt der kundenreichweite. der sager sagt das alles so dahin, und der zuhörer segelt auf diesen worten in die zeiten hinaus über die piazza hinweg