noch einmal: rainald goetz, narzißmus und selbstbearbeitung
die furcht vor dem alltag als ewiges bloßes stumpfes wiederholen und die auflösung dieser furcht in: sich (tag für tag) wieder zu holen – aus dem sumpf, aus dem einerlei und der unterschiedslosigkeit, aus dem dahindämmern, der gleichgültigkeit usw. usf.
das besondere an rainald goetz' essay über den verwaltungsbeamten und berühmten vertreter der tagebuchliteratur samuel pepys ist neben dieser erkenntnis, daß das schreiben als ein selbstbearbeitungsverfahren sich zeigt, ja, mehr noch, als regelmäßiges tägliches SICH-AUSÜBEN, das andeutet, was wir schon in dem klosterparadigma gefunden hatten, nämlich die REGULA als eine technik, sich von aller bestimmtheit und SO-GEWORDENHEIT zu lösen, als ein überstimmungsverfahren von GEPRÄGTHEIT und ERZIEHUNG, das sich in der REGULA "TAGEBUCH" als ein ÜBERSCHREIBUNGSVERFAHREN manifestiert; die tägliche übung, die das paradigma des atmens zugrundelegen könnte, denn das atmen ist keine frage des entscheidens, sondern heißt LEBEN; so muß die regula verstanden werden, als eine antwort auf die frage, wie (über)lebe ich, nämlich tag für tag. ein mensch hat sein maß in sich selbst zu finden, er oder sie selbst ist maßgebend für sich selbst. aber dieses maß ist jeden tag als REGULA einerseits herauszubilden aus dem wust, der das leben auch sein kann; andererseits gibt es dem tag, was er ist: nämlich (ur-)REGULA zu sein, durch den alle menschen rhythmisiert werden. ja, diese erddrehung um sich selbst, tag genannt, gibt jedem menschen struktur — und sich dagegen zu sträuben, ist im extremen eine haltung wider das leben (und seine alltäglichkeit). der tag KANN als tagebuch die konkrete einübung sein in das, was wir SELBSTBESTIMMUNG nennen (im engeren sinn auch: selbsterziehung). übrigens, sich gegen den alltag zu stemmen kann auch als eine manifestierung des narzißmus genannt werden, denn der GROSSARTIGE hält sich und alles andere in seiner wiederholtheit nicht aus, denn das ist ja geradezu DER gegensatz zu EINZIGARTIGKEIT.
1965 — mathieu carrière als der junge törless in der verfilmung von robert musils"Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" (1906) (regie + drehbuch: volker schlöndorff). ein anderer bemerkenswerter film mit carrière in der hauptrolle ist wiederum nach einem sehr berühmten literarischen werk gedreht, nämlich MALINA von INGEBORG BACHMANN, in der regie von dem jüngst verstorbenen WERNER SCHROETER (übrigens nach einem drehbuch von ELFRIEDE JELINEK).
2011 — ein aus dem feinsinn deutscher hochkultur, was immer das sei, herausgeplumpster mensch, fällt auf den televisionsboulevard. und redet feinsinnigen mist. aber irgendwie auch schön, nicht wahr. das hat etwas, dieses leicht nuttige gequatsche eines läuterungswilligen callboys: denn hochkultur ist genaugenommen immer ein jammertal, und erst in dieser verbindung ist hochkultur wieder auszuhalten, sagt herr von und zu scheißenbach aus scheißenbachhausen
noch eine szene aus dem film, in der der törless-carrière über die imaginären zahlen, einer mathematischen delikatesse, stolpert. diese bereitschaft, fragen zu stellen, wo andere menschen, die einfach nur weiterkommen wollen, auch mal unverständliches hinnehmen, wie das berühmte beispiel FRANZ BECKENBAUER zeigt, und es unter rubrik SCHAUN MER MAL verrechnen, zeigt schon, daß dieser junge schauspieler einmal zur strafe in den dschungel gehen muß, um eine ehrenrunde zu drehen
tja, kein quadrat einer reellen zahl ist negativ. aber geben wir einer quadratwurzel aus einer negativen reellen zahl einen imaginären wert, so legen wir den grundstein zur erweiterung der menge der reellen zahlen zu den sogenannten KOMPLEXEN ZAHLEN. ja, spinn ich denn, denkt da zum beispiel ein philatelist. aber der witz ist, daß dieser hokuspokus, diese mathematischen fiesematenten, etwa in den ingenieurswissenschaften, praktische anwendung finden. daß der mathieu womöglich hier schon, an dieser stelle des films, in seinen jüngsten jahren in eine, sagen wir mal, karmaschlaufe einfädelt, die sich fataler- aber gar nicht evidenterweise in einem dschungelcamp wiederholen würde, wer hätte das gedacht. denn das imaginäre ist doch eine erweiterung welcher realität auch immer. irgendwann werden wir diese unterscheidung gar nicht mehr machen, wenn wir endlich begreifen, daß ein "quantensprung" sich gar nicht als metapher eignet für einen allergrößten sprung (paradigmenwechsel), steht er in wahrheit für den kleinsten in den subatomaren welten. (d. h., es gibt in der natur strenggenommen keine kontinuierliche veränderung)
"Umgangssprachlich wird heute oft von einem Quantensprung gesprochen, wenn von einem großen oder ungewöhnlichen Fortschritt die Rede ist, oder um eine plötzliche Änderung oder eine neue Stufe einer Entwicklung zu bezeichnen, z. B. wenn es sich um kompromisslose oder sofortige Zustands- oder Paradigmenwechsel handelt. Diese Metapher ist zwar verbreitet, aber falsch.
In kleinsten (atomaren und subatomaren) physikalischen Systemen sind die Übergänge zwischen den Zuständen nicht kontinuierlich, sondern immer quantisiert. Somit beschreibt der Begriff Quantensprung hier nichts Besonderes, sondern Quantensprünge sind die einzig möglichen Zustandsänderungen in solchen Systemen." (zitat aus dem wiki-art. zu quantensprung
und der star star star ist der näch ste verwandte des idioten idioten idioten
(neuedition in assoziation zu den letzten einträgen "alltag ...")
wenn das idio - tische in der trenn(- ungsun -)schärfe von privat und öffentlich seinen ursprung hat, ist der star eine variante des idioten. denn ein star gehört allen, es ist sein insgesamtes leben, das von öffent- lichem interesse ist. naturgemäß ist es die standard- klage der stars, kein privatleben zu haben. ein kluger star unterliegt nicht dieser verwischten grenze von privat/öffentlich, sondern er agiert sie. so wie ein kluger idiot sich nicht im öffentlichen privat verhält, sondern nur die form dieses verhaltens benutzt. er über - setzt seine re - lative beziehungsUN - fähigkeit sozusagen in ak - tions - freiheit. der idiot verstärkt so die sorge um sich selbst in eine allgemeine sorge um ihn. wir lieben den idiot auch als eine variante des genies, das (ungeschützt bedürftige) natu - Rge - nie nämlich