nennen Sie mich heute so, als wollten Sie einen roman unter dem titel seines sagen wir mal halben textes veröffentlichen. (bei einem 200 seiten starken roman zum bleistift) würde also der titel 100 seiten lang sein) — die leser müssen solange erschreckt wer den, bis der eine übrig bleibt, der für alle anderen einzustehen bereit ist
opahamaku:
die killerbrut aus dschin gkaiam ailordis turistan
namen sollen schall und rauch sein, aber nichtdestertrotz sind sie von einer alles überragenden bedeutung gerade auf dem feld des vielfachen bedeutens. alles, was vielleicht erst nur mit fingern be-deutet wurde, mußte im anfolgenden feld der sprache, dem medium schlechthin, in repräsentabile marken übertragen werden – und das sind namen; nämlich um auch dann ein ETWAS im (informellen) spiel zu halten, wenn es gar nicht anwesend ist. alles im dienst einer virtualität, dem feld des geistigen, das uns hat abheben lassen in kosmologische weiten. letztlich geht es um das einerseits aussichtlose unterfangen, das sterben ins nicht-mehr-dasein zu verhindern, hinauszuschieben oder irgendwie auszugleichen, und andererseits um formulierung eines universellen energieerhaltungsatzes, das zwar keine erhaltung von identischen lebewesen garantiert, aber doch so etwas wie seelenwanderung und dergleichen ins denkbare rückt. wenn in einem solchen zusammenhang die namensgebung ausufert ins nicht mehr merk- und erinnerbare, dann haben wir jene urbane zuständlichkeit erreicht, die wir im depressiven feld verorten wollen. hier ist zugleich auch von der selbstbewußten variante einer gepflegten erschöpftheit, eines kultierten überdrusses jedenfalls der besseren möglichkeit nach die rede, von ENNUI, wo das spiel mit identität und namen in nonchalante sinnenthebungen gesteigert werden kann. man überträgt in diesem sozialen feld verdruß in ganz gelinde aggressivität, um mit dieser übertragung sich als gesund zu behaupten, während doch überall demotiviertheiten und chronische absenzen als pathologisch gegeißelt werden, statt in dieser symptomatik auch ein NEIN zum allgemeinen ambitionenzirkus für ruhm geld und ehre und was weißich zu erkennen ...
wenn Ihnen also danach ist, antworten Sie auf die frage, wer Sie sind, mit einem nicht endenwollenden namen aus einer beliebigen abfolge von Ihnen zur verfügung stehenden buchstaben aus diesem oder jenem alphabetaren gebilde
paternoster – die anrufung des VATERs steht natürlich auch für eine patriarchalische geprägtheit. der vater aber ist nicht nur der inhaber der macht, sondern auch ein dienstleister. und das, was einen mann in einer patriarchalischen welt besonders befähigt, patriarch zu werden, ist materielle kompetenz, schützende autorität und gesellschaftliches standing. wir könnten auch sagen: er gibt seinen schutzbefohlenen – ein eigentümlicher, aber aussageträchtiger begriff – sicherheit und halt im sozialen dschungel.
PATER NOSTER ist eine neuauflage des hier, in diesem blog, unter demselben titel in leicht veränderter fassung edierten gedichtes. es ist kein konzeptgedicht, zumindest ist es nicht unter in der hier ersichtlichen formidee verfaßt worden. es ist im wortsinn ENTSTANDEN und im verlaufe seines mehrschichtigen entstehens auf diese idee zugelaufen. die kontradiktorische verschränkung von form und inhalt verleiht ihm eine dynamik, trotz der jedenfalls vergleichsweise monotonen "fahrstuhldiktion". wie es für einen professionellen witzeerzähler tabu ist, die pointe seines eben zum besten gegebenen witzes zu erklären, so sollte auch ein autor seinen eigenen text nicht selber "vor"interpretieren. zum einen deswegen, weil er in sein eigenes werk vertrauen haben sollte und es, wie man so schön sagt, loslassen. und zum anderen sollte er dieses vertrauen auch seinen lesern gegenüber haben. ich breche dieses tabu, weil es mich nicht wirklich schert – und weil meine eigene neugier mich auf dieses glatteis treibt, wenn es sich denn als ein solches herausstellen sollte. dieses gedicht ist verhalten, weil es nicht einfach loslegt, sondern erst wie in einem vorwort über die eigene gattung spricht, bevor es dann gewissermaßen doch nicht zur sache kommt. vielleicht hat der verhaltene gestus dieses gedichtes ja auch den grund, daß der autor es eher vermeiden will, ein gedicht zu schreiben, vielleicht, weil es sich für ihn nicht schickt, sich wie ein lyriker gehen zu lassen. damit ist unterstellt, daß es zum psychogramm eines lyrikers gehört, sich öffentlich gehen zu lassen. tatsächlich setzt sich der autor seinem publikum doch mit jedem text aus, aber dies gilt doch ganz besonders dann, wenn er mit einem gedicht in die arena steigt. das hier vorgelegte gedicht ist die vermeidung eines gedichts. wir erklären das einfach zu einer allgemeinen ästhetik in einer phase universeller verlegenheit. jeder exhibitionismus sollte mit einer brise scham gewürzt sein — sagt ein drei-sterne-koch. ein anderer aspekt der artifiziellen vermeidung in unserer ästhetik läßt sich wie folgt darlegen: so, wie manche modernen menschen keine kinder mehr in die welt setzen wollen, weil sie das nicht verantworten zu können glauben. entweder ist ihnen die welt zu schlecht, oder sie sind sich als eltern nicht gut genug. dem hier agierenden autor ist das selber alles höchst unklar. zum phänomen des sich aus-setzens gehört existenziell naturgemäß das bedürfnis nach halt. damit sind wir beim folgerichtigen inhalt des gedichts, das dieses bedürfnis artikuliert. der fahrstuhl in seiner variante des rollierenden paternosters beschreibt eine wiederkehrende kreisbewegung. diese wiederkehr etwa in den 4 jahreszeiten, von tag und nacht, von ebbe und flut usw. gibt dem leben eine form, das wir zu leben haben. schon insofern ist die bewegung eines paternosters für die aussetzung eines gedichts nicht mehr ganz so entlegen. dennoch kommt doch jedes leben nur in der existenz-behauptung zu sich selber, gegen die niedertracht seiner verallgemeinerung zu der einzigartigkeit, die wir mit der würde jedes lebewesens verbinden.
wenn wir uns noch mit dem seltsamen begriff des paternosters als bezeichnung für einen fahrstuhl beschäftigen, kommen wir vielleicht noch einen schritt weiter, die relevanz des themas zu erschließen. wie bekannt, ist pater noster sowohl der anfang wie der titel eines gebets, dem vaterunser, also dem christlichen gebet schlechthin. ein gebet ist immer die anrufung gottes, die ihren sinngebenden ursprung einer existenziellen bedrängtheit entsprungen ist. man ruft ja nicht nach gott, weil man gerade lust hat, den boss zu sprechen. der mensch betet seinem primären impuls nach wohl dann, wenn ihm die muffe geht. der hier etwas unangemessen flapsige ton mit den entsprechend geläufigen wendungen à la muffe-gehen, gibt das gegensätzliche verhalten gegenüber ängsten und angst überhaupt wieder, nämlich die affekte kleinzuhalten. die entlehnung des ausdrucks paternoster liegt einer etymologischen vermutung zufolge für die bezeichnung eines offenen, durchlaufenden fahrstuhls in seiner formalen ähnlichkeit zum rosenkranz, der christlichen gebetskette. damit haben wir einen anderen aspekt für den behauteten zusammenhang mit den existenziellen ängsten, also mit der angst überhaupt. die litaneihafte wiederholung ist ein symptom von angst, wir sprechen von zwangsverhalten, also der unfreiwilligen fortgesetzten wiederholung ein und desselben, oder sie ist als bewußtes gebetsverhalten eine gleichsam therapeutische beruhigung. in diesem gedicht äußert sich die beruhigung als eine projektion in das und auf das gedicht in dem wort: HALT, das hier als dialektisches gelenk fungiert. halt, im (fahrstuhl)sinne von stop! – und als bedürfnis in der bedrängtheit nach einem gleichsam starken arm, nach HALT eben. das gedicht überträgt (sendet wie ein sender) also sozusagen die allgemeinste form, die gegenstandslose, also existenzielle angst, die lebensangst. das gedicht wendet sich aber nicht wie das gebet und die gebetsmühle oder der rosenkranz an gott, sondern es spricht zu uns, den mitmenschen, den lesern, indem es diese unsere existenzielle bedürftigkeit gewissermaßen auf sich nimmt. stop, halt im sinne von innehalten, und sich in diesem tiefsten aller menschlichen bedürfnis nach halt zu zeigen, nämlich eben nicht sozusagen vor allen leuten, sondern in einer sphäre des innehaltens.
vater unser – noch einmal
zur mächtigkeit des vaters
paternoster – die anrufung des VATERs steht natürlich auch für eine patriarchalische geprägtheit. der vater ist ja nicht nur der inhaber der macht, sondern auch ein dienstleister. und das, was einen mann in einer patriarchalischen welt besonders befähigt, patriarch zu werden, ist materielle kompetenz, schützende autorität und gesellschaftliches standing. wir könnten auch sagen: er gibt seinen schutzbefohlenen halt. wir sehen einen mächtigen schatten auf der existenzpoesie unseres gedichtes lasten. und das ist, wenn man so will, der größte gegensatz zur (poesieträchtigen) rede vom ausgesetztsein des individuums:
MACHT + SELBSTERMÄCHTIGUNG.
aber ohne dieses un-thema kann es keine belangbare aussage zum thema mensch geben.
die hier implizit thematisierte bewegung von der den schicksalsmächten, den kosmischen geschehnissen unterworfenen existenz, die den inhaber dieser macht im gebet um gnädige gestimmtheit bittet zum heldischen individuum, das sich selbst ermächtigt, sich zum patriarchen, dem gott auf erden sozusagen, aufmacht bis hin zum bürger, in coexistenzieller, demokratischer organisiertheit beschreibt den weg in unsere zeit. die frage stellt sich in unseren tagen, was zeichnet ein INDIVIDUUM heute aus, das nicht in der einzigartigkeit, sozusagen im SUPERSTAR-modus den gipfel erklommen zu haben glaubt, sondern sowohl verantwortlich in führung gehen kann wie auch als konzertmusiker an gemeinschaftserlebnissen interessiert ist.
wir haben hier auch die dialektik vom konturierten individuum, das sich und vieles anderes haben möchte, das an plänen, zielen und umsetzungen interessierte wesen und dem mitschwingenden wesen, das im mitsein sozusagen eine vom ÜBERINDIVIDUUM alias gott befreite religiosität lebt.
dein asylrecht wird zur debatte gestellt in dieser welt da vielleicht mußt du ausgewiesen werden wegen totaler
unzulänglichkeit
versuch einer tröstenden beruhigung aller kommentatoren und des autors selber siehe: "prost mahlzeit!"
ja, es entsteht angesichts solcher katastrophenthematik und der beihergehenden beschämung über uns, unsere gattung und insbesondere ihrer avancierten vertreter so ein drückendes gefühl wie nach einer predigt, in der von einer virtuellen kanzel herunter der virtuelle prediger auf UNS herunterspricht. er hat die (in deinem fortgeschrittenen alter doch hoffentlich) etwas verwahrlost freie stelle des uns erziehenden (dessen stimme und beSTIMMung) "in uns" besetzt: DU fühlst dich sofort (wie zu alten zeiten des ausgeliefert-seins) angesprochen. und um angesprochen zu bleiben, dich am wickel zu kriegen, wird dir beinahe jede entlastung (mit dem bedauernden achselzucken eines gesichtslosen ablehners deines antrags auf asylrecht in dieser welt) verweigert (von diesem sozusagen externen geist, den irgendwelche selbsternannten usurpierenden stellvertreter mit ihrem macht-knowhow verkörpern), hie und da ein bißchen gönnerhaft vielleicht mildernde umstände konzediert, aber ansonsten bleibt untergründig das fatale urteil bestehen: du nimmst dir zuviel aus dem topf, du gieriges stück leben, du!
es ist immer ein leichtes dafür belege herbeizuzitieren. ja nun, vielleicht geht es ALSO darum, diese leere stelle, das fäßchen ohne boden, als das du dich fühlst, nicht mehr in besitz nehmen zu lassen — auch und insbesondere nicht mit den richtigen meinungen zu den umlaufenden "empörungsthemen" dieser welt. das heißt ja ÜBERHAUPT nicht, sich damit nicht auseinanderzusetzen. vielleicht bedeutet es nur, keine lust mehr zu haben, mit allen möglichen anderen auf sich selber rumzuhacken. keine lust mehr zu haben, beSTIMMT zu werden, die vielen (papa- und mama-)stimmen, die in jedem mensch toben, in die chorpflicht zu nehmen, zu sagen, ist ja schön und gut, aber da hinten links singt einer auch nicht so schlecht, ein wenig freude am listigen dirigieren an den tag legen ...
Sie, meine damenherren, werden denken (womöglich), da steckt doch eine prise zynismus drin. ja, das mag schon sein. aber immerhin kein menschenverachtender, nein, im gegenteil, ein menschenfreundlicher, weil wir den anarchischen impuls, den jedes leben umtreibt, ein wenig unterstützen wollen — gegen die übermacht aller sozialisierend synchronisierenden angriffe, die die gemeine wahrheit vor dich hinkarren: du bist ein nichts und gebärdest dich, als wärest du alles. dabei wirst du jeden tag mit einer ganzen welt vollgepumpt, daß du nicht mehr laufen kannst. und wenn du es endlich glaubst, daß in dir eine ganze welt platz hat, kommt wieder der prediger und schreit dich an: DEMUT!!
ein guter problemredner ist einer, der es aushält, wenn man ihm nicht folgt, der, wenn er merkt, er ist mit seiner rede alleine (im saal oder wo auch immer), einfach weiterredet, bis jemand, warum auch immer, erscheint. dieser jemand setzt sich erstmal hin, wundert sich auch gar nicht, daß er nichts versteht, denn er ist ja schließlich zu spät. irgendwie ist er aber froh, daß einer überhaupt mit einer rede in dem GROSSEN SAAL da ist, und die einem zudem nicht gleich das gefühl AUFZWINGT (wie in einer schule), verstehen würde heißen, die rede selber fortführen zu können reden – sagt jetzt der problemredner in seiner neurosenhochform (der individualen insistenz) – hieße leben. wer schweigt, ist tot. da erschrickt der hereingeschneite zuhörer. nanu? vielleicht gibt es mich gar nicht. er holt seinen taschenspiegel hervor, kämmt sich wie zur selbstbeschwichtigung die haare, um den augenblick zu überstehen und sich in den jeweils nächsten ad infinitum zu retten. wenn er dann vorm spiegel innehält und aufsieht, spricht er laut aus sich heraus: mein gott, wo ist der redner? niemand in der aula, die die studenten WELT nennen, ist weit und breit zu sehen. da pfeift er erstmal einen internationalen hit, dessen titel er vergessen hat, vor sich hin, vermutlich weil ihn nur noch der kontext eines ALLBEKANNTEN in diesem fatalen gefühl der befremdetheit retten kann. dann erhebt er sich, geht hierhin und dorthin im messenden schritt, merkt mit der vergehenden zeit, daß er dabei ist, den saal mit einer gleichsam körpersprachlich vollzogenen rede auszufüllen. als er die ersten sätze, die da seiner mund-öffnung entweichen, selbst wahrnimmt, denkt er, unglaublich, als ob ich nie etwas anderes gewesen wäre als ein satzproduzent. ich registriere auf der höhe meiner resümierenden kraft eine außerordentliche unternehmerkarriere! zuhörer aus nah und fern strömen in den saal, der die welt bedeutet, keiner wundert sich, daß da einer vor ihnen steht und redet und redet ... keiner würde sich wundern, wenn er in einer schraubenfabrik nichts als schrauben zu sehen bekommt. das denkt er jetzt, der satzfabrikant, wo einem die sätze nur so um die ohren fliegen ...