undistanziertes 1:1-verhalten (sozusagen ins nicht-verhaltene verhalten) VERSUS distanz schaffende unverbindlichkeit (ins nicht zuständige, nicht belangbare) [[dieser gegensatz findet auch ein abbild im tv-programm: dschungelcamp (alternativ etwa: nachmittagsprogramm der privaten sender) VERSUS beispielsweise die politik-talkrunden mit ihren von sprachregelungen durchsetzten austauschritualen, bis zur totalen verhaltenheit des inhaltslosen sprechens, des elaborierten nichts-aussagens]] — in den von diesen gegensätzen abgesteckten registern, könnte man sagen, spielt der moderne mensch: wir alle spielen auf dieser klaviatur: das, wenn wir so wollen, prekariats-tv und all die expertenveranstaltungen stecken nur die extreme auf dieser skala ab
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in helmut lethens buch "Verhaltenslehre der Kälte – Lebensversuche zwischen den Kriegen", auf das sich diese überlegungen beziehen, ist in einem kapitel über den biologen und philosophen HELMUTH PLESSNER folgendes zu lesen:
"Wo sich kein bergender Himmel über den einzelnen wölbt und die moderne Gesellschaft in ihrer 'maßlosen Erkaltung' schreckt, da lockt als Zufluchtsort 'das Ideal einer glühenden Gemeinnschaft', bemerkt Kracauer, der wie Plessner vor der panischen Flucht in die Gemeinschaft warnt. Plessner entwirft eine Verhaltenslehre für die 'Kühle der Gesellschaft'. Seine Schrift Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus erscheint 1924."
zum letzten doch eher "kalten" posting ("die kalte persona") wäre sicherlich noch einiges nachzubemerken angebracht. da wir aber hier die rezeptionsfreundlichkeit nicht an die erste stelle unserer prioritätenliste gesetzt haben, weil die dhonau-werkstätten sich als ein experimentierstüberl verstehen, ohne damit die hoffnung aufgegeben haben zu wollen, da und dort wahrgenommen zu werden und impulse setzen zu können, geben wir nur dann erschöpfende erklärungen ab, soweit sie explizit nachgefragt werden.
die kalte persona ist auf einer skala (neudeutsch gesagt:) der coolness weit "oben", im sozusagen gerade noch wahrnehmbaren bereich, angesiedelt. trotzdem sollte dieser hinweis hilfreich sein.
im mittleren bereich der coolness-skala wäre das hinreichend gut organisierte individuum zu verorten.
im oberen die strategisch disponierte führungspersönlichkeit mit ausgesprochenem machtbewußtsein.
im leicht unteren teil der mittleren skalenwerte wäre die persönlichkeit zu suchen, welche sozusagen im hinteren track ein bisserl mittrottet.
im untersten bereich der coolness-skala wäre die persönlichkeiten anzusiedeln, die sich in ihren angelegenheiten notorisch an falsche adressen wenden — in schwach korrespondierenden kommunikationen zu hoher "betriebstemperatur" auflaufen, etc.
die kalte persona ist unter dem aspekt der coolness als deformiert anzusehen; aber nicht mehr wie jeder leistungssportler in der exzessiven verfolgung dieser seiner disziplin höchstwahrscheinlich eingeschränkt, vereinseitigt oder eben deformiert ist.
ein woods, der in seiner ganzen psychoenergetischen verfaßtheit auf treibschläge und einlochschläge geeicht ist.
der tunnelblick des boris becker, die antizipation des balles, die synchronisation der eigenen bewegung mit der des balles, etc
dhonau ist seiner eher unfokussierten disponiertheit über eine ältere ausgabe der SZ vom 19. 12.2011 gestolpert und dachte, laß uns doch mal hineinschauen, ja, und da war da dieser artikel über einen hier als hochangesagt vorgestellten hollywood-schauspieler namens RYAN GOSLING. dieser artikel beruht auf einem treffen der SZ-journalistin ANNE PHILIPPI mit dem besagten hollywood-recken.
"Ryan Gosling nuschelt. ... Er macht den Mund nicht richtig auf. Man versteht Ryan schlecht. Das muss so sein, wenn jemand zum neuen König der 'Unfazedness' aufsteigen will, jener kalten Unberührbarkeit, die fast unbeteiligt wirkt."
"Dem König der Unberührbaren ist es egal, wenn er sterben muss. So ist es dann eben. Er ist nicht am Kampf interessiert. Das macht ihn härter als die anderen. Regisseure sind süchtig nach so einer Ausstrahlung."
"Gosling spielt einen begabten jungen Wahlkampfmanager, ... Er arbeitet erfolgreich für Senator Mike Morris (George Clooney), der der nächste präsident ..."
"Gosling trägt die ganze Zeit ein phantastisches, beinhahe unbewegliches Gesicht. Es ist praktisch unmöglich, ihn hier beim Schauspielen zu ertappen." ...
hier sind wir an eine schlüsselstelle angelangt, sagen wir einmal, des strategischen schlechthin: wer schauspielert hat verloren, wer wahr sein will, auch. nein. es geht nicht um diese abstrakte ausschließlichkeit. es geht um um das "gelenk", das "relais", das von dem einem zustand in den anderen hinüberführt. um modulation, sozusagen. es gibt eine umschlagstellung zwischen bewußtem vortrag und dem wort, das man ist, dem wort, mit dem man kommt; diese umschlagstelle, das ist der bereich präziser coolness; wer dort hin und wieder, wenn' s drauf ankommt, ist, wird im entscheidenden augenblick das "richtige" tun; wer dort, an dieser unheimlichen umschlagstelle, seine existenz prinzipiell agiert, wer dort und nur dort lebt, der wird zwangsläufig zum monstrum der macht, der berechnung werden etc.
(hvs-72) die kalte persona bis an den rand des bauhaus-grusels — was ist eigentlich regula falsi? —
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"Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den Kriegen" — ein buch von HELMUT LETHEN, das die scheußenbach'sche baroneske welt zum besten gibt und vielleicht auch hält, sei hier empfohlen. obwohl hier der scheußenbach-code dechiffriert ist, bleibt der prekäre baron gelassen, denn das buch ist sehr sehr sehr schwer zu verstehen, wenn ... äh ... man es nicht verstehen tut, nicht wahr.
es geht hier um die KALTE PERSONA, als welche sie in der sozialen distanzmodulierung ihr metier hat und insbesondere in der interferenten (unterscheidungsschwachen, sozusagen fraktalen, "zwischendimensionalen") grenzwelt des künstlichen und des authentischen, also in dem grauen grenzbereich dieser doch sehr konträren begriffe ihren (bedeutungs-, anwendungs-, spiel-)raum aufgeschlagen findet, nicht wahr.
die kälte kommt soszuagen aus einem fraktalen nichts interpersonaler (a-)sozialität. (uihh, ein begrifflicher klimmzug sondergleichen!)
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balthasar gracian zetbe ist ein kapitel unter dem titel "Die Wiederkehr der "kalten persona" des Jesuiten Gracián" gewidmet
"Gracián wurde 1619 in den Jesuitenorden aufgenommen. Seine erste religiöse Schrift [...] 1655 [...] Unter seinem(!) Namen erschien z.B. 1653 die Aphorismensammlung Oráculo manual y arte de prudencia (Handorakel und Kunst der Weltklugheit), die provozierende Gedanken zur Kunst der taktisch klugen Lebensführung [hervorhb. dh.] versammelt. Dieses – wohl sein berühmtestes – Werk wurde in den Jahren 1828 bis 1832 von Arthur Schopenhauer ins Deutsche übersetzt." (s. wikip. unter balthasar gracian)
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zum begriff der KALTEN PERSONA in der literatur gibt helmut lethen als ein leitendes beispiel WALTER SERNERs, (nach dem dafürhalten dhonaus der einzige deutsche dadaist von literarischer bedeutung) DIE LETZTE LOCKERUNG - HANDBREVIER FÜR EINEN HOCHSTAPLER
interessant ist hier besonders auch noch ein kapitel unter dem titel BRECHTS HANDORAKEL FÜR STÄDTEBWEWOHNER – insofern dieser brecht-text unserer werkstatt noch gar nicht bekannt ist. wir werden das in nächster zeit ändern
herr von scheußenbach ist das W im WW, oder wie das heißt? — es ist, als stünden ihm all Ihre W, Ihre WW, Ihre dingsbümser, meine verehrten damenherren, nicht wirklich zur verfügung, aber jetzt, mit einemmal denkt er, der verlorene baron, daß er gerade deswegen ein MENSCH ist, jetzt ist er sozusagen auf den letzten drücker ein wenig glückelich, wie er schon wieder anfängt, Ihre W Ihre WW eine damenherren, auf deren plastizität hin zu prüfen, er läßt sie gewissermaßen in seinen händen hin- und herrollen, der unverbesserliche von und zu tunichtgut
nach wochen eines stillstandes suchen wir einen symmetriebruch. es geht schlichtweg ums DASEIN: jeder mensch will verstanden (in seinem dasein für andere und von anderen) werden, sofern er nicht ein leid in sich trägt, für das er weder worte noch adressaten findet, also fängt er an sich unspezifisch aufs geratewohl oder auch in collisionsstellung auszudrücken (es geht dann also sozusagen erstmal darum, nicht verstanden zu werden), sodaß er anhaltendes rätselraten auslöse bei mitmenschen, die ihm sozusagen auf den leim gehen. dafür ist er in die relative verharrung gegangen, er weiß, er darf jetzt unter keinen umständen den eindruck erwecken, auch nur irgendetwas zu wollen. dieser verharrungsmensch ist voller lageenergie, die sich jederzeit auf irgendetwas, irgend jemanden richten kann
herr von scheußenbach ist das auge im taiphun, oder wie das heißt? — es ist, als stünden ihm all Ihre worte, Ihre wörter, Ihre dingsbümser, meine verehrten damenherren, nicht wirklich zur verfügung, aber jetzt, mit einemmal denkt er, der verlorene baron, daß er gerade deswegen ein MENSCH ist, jetzt ist er sozusagen auf den letzten drücker ein wenig glückelich, wie er schon wieder anfängt, Ihre wörter, Ihre worte, meine damenherren, auf deren plastizität hin zu prüfen, er läßt sie gewissermaßen in seinen händen hin- und herrollen, der unverbesserliche von und zu tunichtgut
das streiflicht der heutigen ausgabe der SZ hat mich, den zweiten chefredaktor der dhonau productions mit dem cognomen TAECHTOE (aus finnougrischem völkerwanderungshintergrund), heute spätmorgens, ein wenig erheitern können, weil es einmal nur mit einer prise esprit aufgeladen und nicht mit voller breitseite ins geistreiche kontor gezielt war, wo es um den neuen hertha-trainer alias rehakles (otto rehhagel) ging, als welcher er die griechische fußballnationalmannschaft mit preußischen tugenden zur europameisterschaft geführt, also ein ding der unmöglichkeit aus dem hut gezaubert hatte, und wohl für längste zeit der letzte deutsche gewesen sein dürfte, der zum ehrenbürger athens ernannt worden ist. jetzt arbeitet der fußballpensionär in berlin, dem spree-athen, bei einem heruntergewirtschafteten kickerklub, man könnte also sagen, einer paragriechischen unternehmung.
rehakles kommt und grenzt das anstehende problem gleich ein, und zwar derart, daß wir begreifen, wie sehr alle philosophie aus der immer unterrepräsentierten mitte der bevölkerung herkommt. er sagt, zitiert nach dem SZ-streiflicht: "Wenn das Schiff sinkt, und alle müssen helfen — da kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten'"
nein, das geht nicht, und otto macht wie immer unmißverständlich klar, daß er der kapitän ist und niemand sonst.
das können griechen jedweden anstrichs überall in der welt gebrauchen: einen, der ihnen das ruder aus der hand nimmt und ihr schiff über stock und stein an allen sirenen vorbei, ja, wohin eigentlich, äh, vielleicht aufs trockene steuert.
wenn sie jetzt auch noch die verständnisvolle dreingabe brauchen, werden wir ihnen den gauck schicken, der wird sie daran erinnern, daß es neben dem sicheren preußisch abgesteckten festland vor allem um die freiheit geht, die aus allen menschen richtige griechen machen kann, und das heißt schließendlich, den lieben langen tag einen lieben langen tag sein zu lasssen und sich von den früchten zu ernähren, die einem das schicksal in den weg gelegt hat, oder so
da haut sich der ausgebrannte mitteleuropäische streßtechniker gleich selber eine backpfeife. er kanns nicht glauben, daß es neben dem erfolgspragmatismus auch noch andere lebensformen geben kann,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,, zetbe in der sonne liegen und der welt irgendeine klimakatastrophe erklären wie sich früher die völker den krieg erklärt haben, mein gott, denkt da der grieche in unserem finnougrischen chefredaktor alias taechtoe: sagenhaft, das ist sagenhaft! die welt ist eine talkshow von talkshows, du kannst alles sagen, wenn keiner dir zuhört.