pré cis de dé compo sitio n DIE LEH RE VO M ZE RFA LL (deutsch v. paul celan!) — dies buch ist m al abgesehen von sein em inhalt ein beispiel höchster sprach kunst, für die zwei giganten einstehen, der autor und auch der übersetzer. beide, cioran und c elan, w eisen durch ihr werk nach, daß poesie und allge mein dichtkunst zwar in leiden und leidensf ähigkeit gründet, aber dort n icht endet; sie lösen sich gleichsam auf im ausdr uck, in sprache; sich ausdrücken heißt mensch werden. die lehre vom zerfall ist gegen das prinzipiell e, fanatische, idea listische, zwangsp ositive, missio narrrische geschrieben, gegen letzte wahrheiten – und andere lebensfein dlichkeiten. der ze rfa ll gehört zum leben. wir wissen das, irgendwo irgendwie, aber manchmal glauben wir, leben heißt nur, alles tun, um gesund zu bleiben, glücklich zu sein und dergleichen, dabei tun wir in der tat unausweichlich immer auch etwas vom gegenteil dessen, was als wünschenswert angesehen wird, immer, ob wir wollen oder nicht. DAS SEI EUCH HINT ER DIE LÖFFEL GESCHRIEBEN – ihr kleinen pausbäckigen tunichgute! in uns ist alles, das ganze universum, aber herunterdividiert zu eigenschaften und anderen ausdrucksfähigen TEILEN eines OFFENGANZEN; so soll das einmal benannt sein, um das, was wir universum nennen, als den URWIDERSPRUCH zu bestimmen, aus dem alle weitern widersprüche hervorgehen ...
der terminus "das offenga nze" sagt ja mit offen=nicht begrenzt=unendlich und mit ganz=intakt=abgeschlossen=endlich, um einm al den hier behaupteten widerspruch zu explizieren, der im begriff des GROS SENGA NZEN, nämlich des UNIVER SUM STEC K T
nirvana ist eine musik die aus und gegen eine allgemeine erstickung sich erhoben hat und aus den umklammerungen liebessüchtiger protagonisten herausgerissen ist, menschen oder zombies, was ist der unterschied?
kurt cobain hat sich in abertausend stücke zerschossen, alle sollten sie etwas von ihm haben, die ihn so gut so schön so göttlich fanden; er ertrug sie nicht diese menschenwelt die nur aus mama papa kindlein fein besteht, menschen die einander nicht haben und nicht lassen können ...
“Gilbert und George, so hat es der Kunstkritiker des "Guardian" formuliert, erinnerten ihn an das, was Truman Capote einst über Andy Warhol sagte - ‘eine Sphinx ohne ihr Geheimnis’.”
sphinx ohne geheimnis — dies wort geht auf eine geschichte von oscar wilde zurück. da geht es um eine englische lady, die kein geheimnis hat, aber in einem unartikulierten bedürfnis, ein rätsel um sich zu machen, eine absteige mietet, um sich dort mit niemandem zu treffen, sondern dort hin und wieder zu SEIN, nur um zu sein, vielleicht etwas zu lesen, als könnte sie das nicht viel besser in ihrem salon oder ihrer bibliothek. nein. dem mann, der sich in sie verliebt hat, gibt sie diese adresse, nicht um ihn dort zu treffen. nein, er solle, wenn er wieder einmal einen brief an sie schriebe, ihn dort hinschicken. das alles sagt sie ihm ohne eine plausible erklärung, nur irgendetwas, das ihr verhalten noch rätselhafter erscheinen läßt. erst als sie wenig später einer erkältung mit anschließender lungenentzündung erlegen war, sucht dieser mann die adresse auf, ein kleines zimmer, deren vermieterin ihm versichert, die lady habe dort niemals jemanden empfangen, sie sei dort nur hin und wieder aufgetaucht und habe sich dort nur ein wenig aufgehalten. weiter nichts. dieses WEITER NICHTS ist das, was sphinx ohne geheinmnis auch meint. hier ist ein mensch, weiter nichts — eine emphase der eigensten art. schauen Sie, sagt dhonau zu madame kumilschuh, wir haben hier mein ideal von einem menschlichen dasein veranschaulicht: hier bin ich – und weiter nichts.
wir waren insgesamt zu dritt. freunde in der not. eine laune des schicksals. der eine von uns verkörperte die figur des schwitzkas gröhLLe (tatsächlich mit 2 L geschrieben).
er nannte sich so, weil er an einer schwitzsucht litt und infolgedessen immer pitschnasse, aufgeweichte hände hatte. er hasste es daher, zum gruß die hand zu reichen. er war ein hosenscheißer vor dem herrn. der andere nannte sich
breithold balan,
weil ihn, der damals als einziger von uns dreien einem regelrechten beruf nachging, sein täglicher, sich ewig lang ziehender weg in die arbeit durch die ewig lange balanstraße an sein herkommen aus einer familie aus der kaugummi-industrie erinnerte. ich selbst nannte mich
taumi zwölfhart tächtö
(eine hommage an einen finnischen skispringer, dessen namen ich nur noch ungefähr erinnere und der etwa so lautete: ka·un·no kächkö – mit den besonders offen gesprochenen, von mir so geliebten finno·ugrischen umlauten) das ent-springen, das ist die bewegtheit des aufkeimend lebendigen. die fortgesetzte wiederholung dieser bewegung ist geburtsversessen und pure narretei. da hüpft das kind wie ein skispringer aus dem erwachsenen heraus – immer wieder.
jeder hatte sich seinen namen selbst gegeben. und an dieser selbsttaufe hatten so manche teufelchen pate gestanden.
unser projekt findet auch eine erklärung in der zeit (der ausgehenden 70er und den frühen 80er jahren), da die subventionierten autorenfilmer groß im geschäft waren (achternbusch, schröter, faßbinder, herzog, wenders etc.) das leben war BAFöG-gestützt, kleinbürgerlich, grenzüberschreitend bis grenzverächtlich, widerborstig. vom BAFöG in die filmförderung, das wärs halt gewesen!
einige der autorenfilmer hatten sich auf traditionen berufen wie etwa den großen kömödianten chaplin und keaton (u. in deren nachfolge: w. c. fields, laurel&hardy, die marxbrothers, jerry lewis u. a.) diese wiederum waren selber aus der tradition des sogenannten vaudeville-theaters hervorgegangen. das vaudeville lässt sich seinerseits auf die commedia dell’arte zurückführen, das als erstes berufsmäßiges theaterspielen im alten europa angesehen wird. die commedia dell’arte, das waren im wesentlichen fahrende, regional wirkende familienunternehmen, deren mitglieder auf jeweils ein und dieselbe persona (=maske) festgelegt waren; deren typisierung nach eigenschaft (etwa: geiz) und beruf hatte den effekt einer komödiantischen vergröberung. in einem mechanischen, vegetativ-nervösen spiel aus wortwitz und körperakrobatik wurden die virulenten themen des mittelalterlich-italienischen alltags aufgegriffen. sprechen und zunge-herausstrecken waren noch nicht klar voneinander geschieden. das geistige wurde zurückübersetzt ins körperhafte; das christlich-abendländische überhöhte sozusagen in einer immunreaktion abgestoßen. die wiederauferstehung des chaos in der allgemeinen ordnung – das war für uns volkstheater ersten ranges. wir missachteten alle dezente, geschmackssichere kunst, auch wenn wir uns darüber nie ausdrücklich verständigt haben, es war wohl die große kunst selber, in der wir, die sich-entblödet-habenden, gar nicht vorkamen und die wir schlachten wollten. wie etwa der österreicherische künstler hermann nitsch, der den ursprung des christentums in der schlachterei und seinen opfer-ritualen entdeckte und der es aus theologischen himmelshöhen auf die feuchte erde herunterzwang, wollten wir der an uns gescheiterten bildungswelt mit apokalyptischen gesängen huldigen.
eines unserer von mir verfassten stücke hieß
die sorrymaker
ein stück, in der die urbane welt sich als soundmaschine mit kakophoner gewalt offenbart, im bild der rempel-pempel-fußgängerzone, wo die autos in die köpf’ g’hupft sind und wo’s aus den ellenbogen dampft, und das tatütata über dem allgemeinen gewimmel sich erhebt, als käme alle gefährlichkeit der ungebändigten natur durch die ritzen der urbanisierten welt wieder zurück. die stadt, das ist doch, sagen die begeisterten komödianten, ein gar herrlicher urwald!
inhalt dieses stücks: der tächtö hält eine 1-mann-sitzung in anwesenheit der anderen, zwischen deren sätze er den immer gleichen seufzer seufzt. der balan seinerseits konstatiert ein ums andere mal, dass er voller lust sei. der gröhLLe dagegen resümiert das gerade vorsichgehende als große nullrunde: einer möge den anderen unterbieten, worin auch immer. der tächtö setzt weiterhin unbeeindruckt, so als ob er die beiden anderen gar nicht wahrnähme, in seinen seufzern fort. die wenden sich ihm – schließlich doch noch – zu und fragen ihn lippensynchron, was denn mit ihm blo-ho-oß lo-ho-os sei?
der gröhLLe, der ewige resümierer, stellt zusammenfassend fest: wieder einmal haben wir uns in die ausgangsstellung zurückversetzt, unserem labyrinthus rectus, heute unter dem namen allgemeinplatz ein fester bestandteil der kommunikativen grundausstattung des urbanisierten menschen, ein platz, von wo alle den (ariadne-)faden aufnehmen, um in das große miteinander hineinzukommen und um vor allem auch wieder heraus.
So beginnt die
familia crux popul
ihr manisches spiel: einer will den jammerant 1 geben, der andere den jammerant 2 und der dritte, wer wollte es verhindern, den jammerant nummero 3; aber auch der labyrinthus rectus (das system selber) muss als darsteller fungieren, er soll nämlich die fußgängerzone spielen - und siehe da, mit einer darstellerischen bravourleistung setzt er sich in antlitzloser, erhabener dummheit hin und harret der dinge, die da kommen. alsbald laufen die jammeranten hin und her, bis eine gar schröckliche engelische fußgängerschlange aus einer feinen anstell-gesellschaft übergroß sich in den vordergrund der vorstellung in szene setzt. die vornehmen herren laufen kontrolliert amok – auch queueing genannt. wie eine lokomotive in alten griffith-filmen droht sie aus dem bild heraus über den kleinen zuschauer hinwegzurollen, da haut’s die Jammeranten hin, einer nach dem anderen. dann kommt wie ein tanker übers festland eine alte teutonische entschuldigungsbrigade (von den jammeranten selber gespielt) gezogen und macht einen gar mächtigen sorrysound (sorry obacht aua excüsee pardong tut uns leid ...) die jammeranten sind begeistert, haben sie doch in das stück hineingefunden in tadelloser allseitiger verstrickung, jeder ist die Beschwernis des anderen, alle haben sie alles auf sich genommen, ein gar christlich-abendländisch-indoeuropäisches spiel. das R flattert auf der zungenspitze oder es gurgelt guttural aus tiefem rachen: rrrr rrrr gRausam rrrichtig gRausam. dasein – das heißt, mit der stirn auf die dinge stoßen. daraus leitet sich die entstehung des verschlusslauts G ab. gugunft, gegengart, gergangengeit! aus dem verschluss-G entspringt das gegen, aus dem gegen der gegenstand, das ding und das sagen, von dem die menschen kommen, nicht wahr. mit den dingen und den menschen-sprechern teilt sich das meer, aus dem die welt hupft, so heißt das ungeheuer, das sich selbst frisst und scheißt: die NATUR ...
die ellbogen, insonderheit die engelischen, geben den populisten zu denken. das sind für sie die rechten winkel, mit denen die schicksalsversessenen und zugleich schicksalsvergessenen menschen auf kollisionen aus sind. das resultat nennen sie realität. mit dem kopf anknallen und die wand bluten zu sehen, das ist der herakliteische krieg, der vater aller dinge. und ein erstes geschichtliches großereignis ist die entstehung des großen rechten winkels, der im stück aus großen balken gezimmert mitten auf der bühne aufgezogen wird, wie ein kreuz, das an einen galgen erinnert. um diesen winkel, der im luftzug ein wenig wie ein mobile hin- und herschaukelt, tanzen die populisten ihren sorrytanz wie indianer, nur dass sie ihresfalls entschuldigungslitaneien jeiern.
der jammerant 1 extemporiert, dass heute schönes wetter ist. die anderen jammeranten stutzen, ja, wie? scheint die sonne oder ist der himmel blau? – der jammerant 1 ist ungehalten: nix, aber rein gar nix verstanden! ich gagte, heute ist schönes wetter! – aha, antworten die anderen, es ist warm draußen! – verflixt, schon wieder daneben. ich gagte schönes wetter! – jaja, der rechte winkel schaukelt nicht mehr, über allen winkeln ist ruh, nicht ein lüftlein weht, das muss doch schönes wetter bedeuten!!! – der jammerant 1 platzt vor wut: schönes wetter, sonst nix, verdammt nochmal! – schon gut, schon gut, aber wer ist das schöne wetter? – natüüürlich muss der labyrinthus herhalten und sorry-schönes-wetter spielen, wo die sorrybürger sich treffen und den rechten winkel anbeten, alle laufen sie zusammen und skandieren im chor: jetzt haben wir den ewigen salat, den sprung, la differance, the cut. (es setzt ein:Trans-lation, über-setzung, re-lation, (trans)hin-über & (re)her-über Û beziehen/bezug, ...)
so oder so ähnlich gings zu in unserem obsessionellen zirkel. die sorrymaker haben das kreuz aus seinem christlichen konnex geborgen. das kreuz als zeichen urmenschlicher kommunikation von beteiligt unbeteiligten, die in ihren schicksalslinien überkreuz kommen, die nicht nur sich mit sich selbst und den anderen, sondern dem großenganzen aufladen, und die doch im gegensatz dazu auf option aus sind, die an-kreuzen, die aussondern, die sich entlasten wollen – von sich, den anderen, dem großenganzen: es ist ein kreuz! kein wunder, dass sie eines heilandes sich bedürftig zeigten, der im zeichen des heilens, des ganzmachens unter die menschen kommt und das ganze theater auf sich zu nehmen verspricht, damit die kleinen menschlein, die parsprotöterchen, von ihrer teil-ganzheit-loch-sucht-krankheit befreiet werden. ach, es ist ein kreuz, mit ihrem sorry-theater – aber, diese frage stellt sich hier, ist nicht das kreuz auch ein zeichen der großen seins-religio, der mächtigsten und zugleich verwehtesten aller erinnerungen? denn mit dem heraufziehen dieser unserer welt sind uns andere namenlose welten für immer entglitten! und doch mögen sie durch uns hindurchgehen, uns durchkreuzen gewissermaßen; in diesen welten gibt es uns nicht, aber dieses nicht-geben, das ist wie eine weise zu sein, geburtslos, endlos, unbegrenzt ... (als einer erfahrung des nichterfahrbaren)
unser konzept, das damals diesen namen nicht verdient hat, war zugleich gegen die zeit gestrickt, als überall das wort von der BEZIEHUNG aufkam, als die menschen das elend nicht mehr nur in den verhältnissen gesucht und gefunden hatten, sondern in der realen liebe, in den nähe-beziehungen untereinander – je näher, desto elender sozusagen. aber war – nach unserer unausgesprochenen ansicht – dieses elend zuvor ein sprachloses oder lag gerade in dieser allgemeinen sprachlosigkeit, so nahm es zunehmend eine elaborierte ausgefaltete breitgetretene kleinstbürgerliche umsichgreifende omnipräsente gestalt an.
beziehungen wurden jetzt allerorten AUFGEBAUT!
aber wir, die wir "die aufzeichnungen aus dem kellerloch" (fjodor dostojewskij) oder "die letzte lockerung" (walter serner) zu unseren bibeln erhoben hatten, wollten uns nicht von dem allgemein aufgestellten gerede justieren lassen. wir haben uns aus der vollkommen a-sozialen konstellation unserer freundschaften, aus unseren a-freundschaften sozusagen heraus- und hervorgequatscht in die aufgebauten sozialen würgwelten hinein und hindurch und hinaus, ahhh! das dumm-daher-reden war zu einer existenzweise geworden; in einer politisiert aufgeklärten welt haben wir unseren beitrag ex negativo durchaus geleistet – nur dass wir unter einer chronischen unterbezahltheit litten. trotzdem hat uns die bundesrepublikanische gesellschaft, das sei zu ihrer ehrenrettung gesagt, immer ausreichend bier zur verfügung gestellt.
unsere stücke haben wir nur sporadisch und bei irgendwelchen sich bietenden gelegenheiten zur aufführung gebracht, immer im schatten von anderen mehr oder weniger engagierten projekten. z. bsp. in vernissagen von künstlern mit ihren hervorbringungen, die wir insgeheim der inkontinenz bezichtigten, die mit einem blöden mut nach vorne gekommen waren (eine form der avantgarde) – und wir mit einer nonchalant kaschierten feigheit dahinterher.
schon der titel war klasse, dachte albian, als er das buch in den händen hielt vom langen abschied. der ton, in dem es voranschritt, ein genuß. "Die Jefferson Street ist eine stille Straße in Providence. Sie führt um die Geschäftsviertel herum und mündet erst im Süden der Stadt, wo sie inzwischen Norwich Street heißt, in die Ausfahrtsstraße nach New York. Hier und dort erweitert sich die Jefferson Street zu kleinen Plätzen, an denen Buchen und Ahornbäume stehen. An einem dieser Plätze, dem Wayland Sqaure, liegt ein größeres Gebäude im Stil englischer Landhäuser, das Hotel WAYLAND MANOR. Als ich Ende April dort ankam, nahm der Portier zugleich mit dem Schlüssel einen Brief aus dem Schlüsselfach und übergab mir beides. Noch vor dem offenen Lift, in dem schon der Liftführer wartete, riß ich den Umschlag auf, der im übrigen kaum zugeklebt war. Der Brief war kurz und lautete: »Ich bin in New York. Bitte such mich nicht, es wäre nicht schön mich zu finden.«"
ich legte das buch beiseite. das war vor ca. 25 jahren. jetzt, nach der langen zeit, fiel es mir wieder in die hände. ich hatte es nicht weitergelesen, bis auf den heutigen tag. warum, weiß ich nicht. gut, der handke, von dem das buch "Der kurze Brief vom langen Abschied" stammt, war immer schon ein ambivalenter fall für mich gewesen. aber es konnte doch nicht nur daran liegen, daß der achternbusch den handke, der sein laudator des petrarca-preises gewesen war, den er erst erhalten und dann aus irgendeinem grund wieder zurückgegeben hatte, einen LIMONADEN-KOPF geheißen hatte. nachdem er, der achternbusch, in seiner rede, die doch eine dankesrede für den verliehenen preis sein sollte, gegen einen der juroren, nämlich den cheftheoretiker bazon brock, andauernd refrainartig den satz entgegenschleuderte: "bazi, was sollen wir denken?" ich dachte damals, jawohl, das ist der handke, ein LIMO-HEINI der sonderklasse. nicht nur, daß er oberliterarische, kunstsinnigste bücher mit oberliterarischen titeln in die links-politisch schon ziemlich erschöpfte links-feuilletonistische intellektuelle brd hineinschmuggelte, nein, er war auch noch obendrein «dieser andere mann», nach dem die welt geschrien hatte, eben ein LIMO-KOPF. das waren jedenfalls die worte des herbert achternbusch, des BIERKÄMPFERS, des aus tausend gekränkten kleinbürgerseelen hervorgegangene wilderers, den ein schicksal zum schriftstellerkünstler und filmterroristen hat werden lassen.
in der tanzstunde. ich war 16, frisch gebadet, gut eingeöltmit, und, wie damals üblich, in schlips und anzug. am ende der ersten stunde hieß es, jeder herr eine dame (die "damen" waren um die 15) nach hause bringen. erst sollten wir uns vorstellen, dann um die ehre bitten, sie nach hause begleiten zu dürfen. alles natürlich mit "siezen". kaum hatte der tanzlehrer das kommando gegeben, sprangen die ganzen herren im irrsinnstempo los, um ja eine der edleren schnitten zu ergattern. ich, der vorläufer des DHONAU, hielt mich ostentativ zurück. (noch) war mir dieser wettbewerb zu vulgär. ich wartete, bis alle ihre dame hatten, stand auf, steuerte auf die einzig übrig gebliebene zu, eine, die so unscheinbar war, daß sie wohl niemand gesehen hatte, stellte mich vor sie hin, machte die andeutung einer verbeugung, und sagte: ALBIAN. sie schoß zurück: RINDFLEISCH. von da an wußte ich, daß mein leben einen eigenartigen verlauf nehmen würde.
man sagt ja, zetbe, wenn man sich schützen will im falle eines ansinnens, über dieses oder jenes bild ein urteil abzugeben: "ich habe keine ahnung von kunst." und das stimmt in meinem falle. sagt dhonau. aber das gegenteil stimmt auch: "dhonau hat eine AHNUNG" – und das nicht nur von kunst.
in diesem widerspruch ist er zu hause, mehr wie viele andere – vielleicht, ja vielleicht ist er sogar der weltmeister auf diesem terrain. wer weiß? hier eine modifikation: "mir schwant da etwas" vermutlich hat er eine SCHWANUNG. sagen wir von kunst.
schon von seiner schulzeit sagt dhonau, als einer seiner leitmotivischen in einem langjährigen verfahren selbst entwickelten scherze, mit denen er sich als hobbyclown über wasser hält, daß er der beste aller schlechten gewesen sei, der chefschlechte sozusagen, der anführer der mißratenen, das alpha-tier der zurückgebliebenen, die lokomotive der abgehängten, äh ... "wo war ich, wo bin ich, wo sind all die anderen ...?"
dhonau läuft hierhin. läuft dorthin. wo sind all die freunde geblieben ...?
"SCHWANEN, verb. als ahnung oder vorgefühl vorschweben, ahnen, in unpersönlicher fügung. nach der gewöhnlichen annahme von schwan abgeleitet, wol mit recht; man musz sich dabei erinnern, dasz der schwan der vogel der nornen und walküren ist und dasz weissagende frauen oft in schwanengestalt erscheinen; jedenfalls hat die jüngere sprache schwanen so aufgefaszt, wie die synonyme wendung" (deutsches wörterbuch von jacob grimm und wilhelm grimm) vgl. hier