das aber dachte der pulpian, als er sich in einer menschenmenge verschwinden sah:
wenn wir uns die welt als einen raum denken, den wir irgendwann einmal - mit unserer sog. geburt - zum ersten mal betreten haben, dann könnte es doch sein, daß wir plötzlich oder auch allmählich von einer neugier erfasst werden, herauszufinden, wie es vordem oder auch: außerhalb dieses raumes wohl ausgesehen habe; und wie wir ihn wohl das erste mal betreten haben? - denn paradoxerweise waren wir doch gar nicht dabei (bei unserer eigenen geburt!!), nämlich als diese bewußte person, die wir uns das alles fragen.
dann könnte in uns in unserer verzweiflung, für diese frage eine brauchbare antwort zu finden, die idee gestalt gewinnen, einfach das ganze szenarium nachzuspielen. wir suchen also irgendeinen ausgang aus dieser welt, um noch einmal durch irgendeine tür von neuem in diese welt zu kommen. lange zeit erproben wir alle möglichkeiten, diese welt experimentell zu verlassen, tatsächlich finden wir hier und dort menschen, die uns eine technik versprechen, diese welt zeitweise verlassen zu können, bis wir eines tages wie nach einem ultratiefen schlaf erwachen und das licht der welt erblicken. holla, denkt es vielleicht in uns, jetzt sind wir also wieder zur welt gekommen, wir schreien und wissen zugleich nicht, ob aus einem übergroßen schrecken oder einer totalen vorfreude, selber die antwort zu SEIN auf all die fragen, die uns da schon wieder entgegenflimmern. holla, sagt eine stimme in uns, und plötzlich scheint uns diese große angst, VER-RÜCKT zu sein, mit einemmal verlassen zu haben, einfach nur: holla! ...
dann stehen wir ohne weiteres auf und bereiten uns ein kleines, aber feines frühstück
depression (IV) das maß des schreitenden und atmenden menschen
das maß, welches in dieser seiner wortbedeutung (wie zuvor schon gesagt) herkommt aus einer indogermanischen wurzel (s. herkunftsduden unter maß), die das messen aus dem gehenden/ abschreitenden menschen bestimmen läßt. der seines atmens bewußte mensch, auch weil der geformte, lautbildende atem sprache, also bewußtsein ist, hat eine rhythmisierende vorgabe, an der sich wie auch immer zu vergehen, eminente folgen zeitigt. so ist etwa ein auf dauer gehetzt-hetzender einer, der sich an sich selbst versündigt. leben heißt unter diesen rhythmus gebenden aspekten des gehens und atmens immer auch EINS AUF DAS ANDERE: SEINEN ureigenen rhythmus zu finden, seiner ureigenen natur gemäß zu handeln, ihr zu geHORCHEN ist vielleicht das stärkste argument, das ein mensch dem sozial-gesellschaftlichen zwang, unter dem wir alle auch stehen (weil wir gesellige und gesellschafts"tiere" sind), entgegenzusetzen haben: denn wir sind in unserer individualität notwendigerweise AUCH a-soziale wesen. eine der wichtigsten kategorien des a-sozialen ist die PHANTASIE. phantasieren heißt auch, dem sozialen zu entgehen, sich (hin und wieder) der gemeinschaft zu entziehen, sich gegen das ALLGEMEINE zu setzen und abzusetzen. durchatmen, mit sich allein irgendwohin gehen, ziellos dahinzuspazieren — das alles ist unter diesem aspekt zu verstehen, daß ein mensch sein maß finden, pflegen, immer wieder neu justieren muß, sonst geht er (sich) verloren
JEDER IST NICHT NUR TEIL EINER COMMUNITY, SONDERN FRÖNT AUCH SEINEN A-SOZIALEN, gemeinschaftsflüchtigen impulsen, das gilt vor allem für die blogger in dieser vor einsamkeiten und verlorenheiten nur so strotzenden blogosphäre, die diese egomanen abgeschnittenheiten sowohl zur darstellung bringt wie zugleich mildert
das bedürfnis, allein zu sein in gesellschaft zu sein, heißt es, habe die WIENER KAFFEEHAUS-KULTUR hervorgebracht. ein wenig davon ist mehr oder weniger in all diesen unseren blogs zu spüren.
der mensch, das maß aller dinge vs. der mensch, das maß seiner selbst
maß wurde hier als kategorie aus der auseinandersetzung mit der depression genannten störung extrapoliert. depression (als zunehmendes phänomen unserer zeit) ist sozusagen eine symptomatische antwort auf die unter beschleunigungseffizienz sich veranstaltende gesellschaft. gesellschaften stehen in globalisierten märkten in sich ständig verstärkenden wettbewerben; die daraus folgende verschärfte mobilmachung setzt galoppierende maßstäbe. man könnte auch sagen: uferlose. das wort maß hat in seiner indogermanischen wurzel die bedeutung des abschreitend messenden. diese urbedeutung gewinnt sich offensichtlich aus der den menschen konstituierenden elementaren form: das ist seine zweibeinigkeit, mithin aus der aufrichtung, dem aufrechten gang, seiner HANDlungsfähigkeit durch die freien, bearbeitenden, greifenden hände und dem blick des erhobenen hauptes. auf dieser urstufe des beginnend menschlichen gibt es noch keine trennung von geist-seele-körper, aber sie hat hier ihren ausgang das gehen, das ent-fernen von abzählend/messend/ abschreitend ins visier genommenen zielen beschreibt das in seiner urform, was wir wahrnehmung, im weiteren messung, erfassung und begriff nennen. so ist das messen noch ganz nah bei der menschlichen physis. mit der zunehmenden stärkeren abstrahierung (=loslösung) und fortentwicklung von dem individuell physisch-psychischen komplex setzt sich ein allgemeines bedürfnis der überlebensanstrengungen der gattung (gegenüber dem individuum) durch: aus abschreitend messenden menschen (= [er]zählenden) entwickelten sich messapparate, mathematik [als grundlage aller messung] bis hin zu den abstraktesten formaten des finanzsystems, in denen sich menschlicher warenhandel darstellt resp. vollzieht. der handel weitet sich aus in aller"entfernteste" produkte, die (sich) jeder beschreibung (entziehen) spotten, sogenannte finanzprodukte, die nicht einmal mehr von den handelnden personen selber verstanden werden. das un(be)greifbare ist hier zum bestimmenden geworden. es gilt nun aber für jeden teilnehmer an diesem allgemeinen mobilmachungswahnsinn mit hinreichend großer immunität oder robustheit teilzunehmen, in anderen worten, auch aus sich und den eigenen möglichkeiten ein maß zu finden, ein "fühl-o-meter" für die eigenen maßGEBlichkeiten zu finden und zu pflegen, der EIGENEN NATUR, der natur, die jeder mensch selber darstellt, vertrauen zu lernen, den letztlich bleibt die natur auch in einem selber immer MÄCHTIG, aber es macht einen gewaltigen unterschied, ob man ihr ausgeliefert ist oder ob man mit ihr sich im gleichklang befindet, dabei reicht ein MEHR-ODER-WENIGER wohl aus
robustheit und waches träumen oder: der starke tagtraum
am ende des prinzip hoffnung von ernst bloch heißt es: "Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat."
wenn das principium das ist, was der wortbedeutung zuvorderst heißt: anfang, dann steckt in dieser urbedeutung vor allem auch das anfang stiftende und auf allen (entwicklungs)ebenen wiederkehrende prinzip – so haben wir einen tieferen begriff, nämlich den blochschen von prinzip, wie er etwa im wort der prinzipienreiterei sozusagen im flachen versandet ist (weil damit ein starres festhalten verbunden ist). principium meint so gesehen auch das aufbrechen in eine neue zeit, etwas, das bestenfalls in träumen 'vorgescheint' war (in anlehnung an blochs kategorie der ÄSTHETIK des VORSCHEINS), das tagtraumhaft aus der kraft eines antizipierenden bewußtseins zur ankündigung gekommen war
die sprache blochs ist besser zu verstehen, wenn wir uns den (literarischen) deutschen expressionismus vergegenwärtigen
auch wenn ich bloch heute, nach vielen jahren der ersten lektüren, kaum noch lesen kann, so ist, davon abgesehen, daß ich in meinen jungen jahren bloch regelrecht verehrt habe, das staunen (auch eine zentrale kategorie in seiner philosophie) über das komplexe phänomen des traums geblieben. das staunen nämlich bewahrt einen davor, sich allzuschnell in bewährte antworten zu verlieren, reflexhaft die gegenstände auf distanz zu halten, deren nähe wir doch eigentlich suchen. so sind viele antworten doch mehr eine abwehr von fragen, mit denen wir leben müssen, schon insofern es für diese fragen, die einen ein leben lang umtreiben, keine endgültigen antworten geben kann. die sprache des traums, in der nicht wir selber zu wort kommen, sondern, wenn wir dieses angestrengte wort aushalten wollen, unser SEIN. es ist, als ob in diesen träumen, insbesondere den sogenannten wach- oder tagträumen, eine welt spricht, wie sie noch nicht ist. (das noch-nicht-bewußte ist eine weitere zentrale kategorie der blochschen philosophie)
träumen im wachen muß nicht nur als wirklichkeitsflucht gesehen werden, die es auch sein kann. träumen, in dem gegenwärtigkeit ist, mit der betonung auf GEGEN, heißt auch einer realität zu WIDERSTEHEN (widerstandsfähigkeit, robustheit), mit der wir uns abfinden sollen, weil das vielleicht für die einen oder anderen von interesse ist.
wir könnten das wort vom wachträumen modifizieren und von wachen träumen sprechen — und die gibt es, solange menschen der freiheit verpflichtet bleiben