gernot – der naive königssohn in meinem reich ist sehr grausam
(bearbeitete neuedition)
gernot — das ist der mann, der im zweifel immer noch bespeert (d. h. sagen wir mal auch adversatorisch: UNbewehrt) ist.
die großen kämpfer sind nicht grausam, insofern sie von einer haltung sind, die eine bereitschaft zur grausamkeit ermöglicht, sie sind es, weil von königlicher naivität (vgl. der junge parzival) gezeichnet. "mein" gernot zum bleistift ist vom himmel gefallen und unerklärlich sanft gelandet in dieser meiner welt
was bedeutet GRAUSAM?
grauen ruft vor allem und notwendigerweise das hervor, was ohne subjekt zu sein scheint, oder noch schärfer: was ohne subjekt IST (im durchaus mehrdeutigen sinn des ausdrucks [etwa im sinne von "subjekt ohnegleichen"]). – ein handeln/geschehen wie aus heiterem himmel, selbst wenn es einen agent hat, scheint es wie durch ihn hindurchzuschlagen, wie ein blitz aus heiterem himmel, im idealtypischen fall, meine ich jedenfalls.
der reine tor alias parzival ist kein mensch, sondern die umsetzung eines "programms"; das gegenteil eines subjekts, das doch bei aller bestimmtheit (determiniertheit) ein schwer bis nicht zu berechnendes wesen bleibt.
grausamkeit ist letztlich simpelst strukturiert.
oder?
der grausame ist der subjektlose mann – der eigentliche UN-MANN
katholizismus: alle sind wir angesprochen die wir die demütige vervielfältigung sind des EINEN großartigen sohnes
aspice qui transis quia ti mihi causa doloris – schau her, der du vorübergehst, du bist der grund meines schmerzes
"Dormitio (lat.: Entschlafen) oder Marientod bezeichnet in der Kunstgeschichte einen bestimmten Bildtyp, der den Tod Marias im Kreise der Apostel darstellt." aus wikip. marientod
stabat mater dolorosa — da steht sie nun immer noch ein wenig, die schmerzerfüllte mutter als ein hochpolyvalentes thema. der ums überleben kämpfende machismo ist zum beispiel mutterneurotisch eingefärbt. auch ein aspekt des feminismus hat in gewissen erscheinungsformen der alleinerziehenden mutter neurotisches potenzial. die ganze abendländisch-christlich-katholisch geprägte kultur ist durchsetzt von mutter-(sohn)-idealisierungen. sie, die maria-frau hat als ehemann einen statisten, den joseph-mann an ihrer seite, um sich ganz in den dienst des großartigen sohnes zu stellen, der die welt paradox unterwirft, nämlich als leid-auf-sich-nehmer, als großer dulder, als großer gegenspieler zu aggressiver männlichkeit, wie sie sich etwa verkörpert im feldherr-typus – à la alexander der große oder napoleon.
da stand sie, die mutter gottes, und steht mittlerweile nur noch wankend, da die frau nicht mehr nur in der mutterrolle schmerzdisponiert verschwindibus gehen, sondern sich auch als politischer (d. h. öffentlicher) (im gegensatz zu ins rein privater herunteridiotisierter non-) akteur verstehen will. das komplizierte in dieser modernen gesellschaftsdisposition ist, daß die schmerzerfülltheit heutzutage da und dort hochkommt. jetzt gibt es männer zum beispiel, die plötzlich wie die schmerzerfüllte mutter um aufmerksamkeit bibbern, jetzt gibt es plötzlich auch mütter, die schmerzsehnsüchtig von ihren kindern partnerschaftliches verständnis erhoffen, jetzt gibt es menschen, die vor gutsein triefen, weil sie jede ungerechtigkeit der welt auf sich nehmen, welteroberer der eigenen art. aber dies thema ist so interessant, wie auch zugleich fatal und unerschöpflich