Des Geistes Sturz in unermeßne Schmach, Das ist die Tat der Lust, und bis zur Tat Voll Mord und Meineid, Blut und Ungemach, Wild, maßlos, grausam, roh und voll Verrat; Verachtet schon, wenn eben noch begehrt,
Sinnlos gejagt, und endlich, wenn errungen, Sinnlos verflucht, ein Köder, der, verzehrt,
Mit Tobsucht jeden schlägt, der ihn verschlungen; Toll im Verlangen, im Besitze toll,
Habend gehabt, in Habbegierde wild, Süß im Genuß, genossen qualenvoll, Vorher ein Glück, ein Traum nur, wenn gestillt; Das weiß die Welt, doch keiner weiß zu fliehn Die Himmelswonnen, die zur Hölle ziehn.
Begehrend toll und toll auch im Genuß; Stets zügellos, verlangend wie gestillt; Im Kosten Glück, gekostet nur Verdruß; Im Anfang Wonne, dann ein Traum so wild: Das weiß die Welt, doch Keiner weiß zu meiden Den Himmel, der uns führt zu Höllenleiden.
(zitiert nach der in der deutschen übersetzung des romans "The Summer Without Men" vorkommenden strophe des shakespeare sonnetts nr. 129 )
"The expense of spirit in a waste of shame Is lust in action: and till action, lust Is perjured, murderous, bloody, full of blame, Savage, extreme, rude, cruel, not to trust; Enjoyed no sooner but despised straight; Past reason hunted; and no sooner had, Past reason hated, as a swallowed bait, On purpose laid to make the taker mad.
Mad in pursuit and in possession so; Had, having, and in quest to have extreme; A bliss in proof, and proved, a very woe; Before, a joy proposed; behind a dream. All this the world well knows; yet none knows well To shun the heaven that leads men to this hell."
mit den nachrichten dieses tages, die etwas schwelendes haben, dieser ferne japans und der plötzlichen, aber jetzt omnipräsenten nähe dieses themas auch den tag begonnen. jede allgemeine nachricht ist an sich schon kombiniert mit der persönlichen situation, in der man sie erhält, etwa einer irgendwo herrührenden gestimmtheit, die in meinem fall eine ohnehin vorhandene durchlässigkeit darstellt, eine durchlässigkeit, die vielleicht damit zu tun hat, die ängste alles lebendigen im blick zu haben, insonderheit die eigenen — in diesem moment meines lebens. das heißt jetzt nicht, IN der angst leben, im gegenteil. sie im blick zu haben (=distanz) UND sie zu spüren (=nähe), bedeuten zusammen einen grenzfall von drin sein UND zugleich draußen, bedeuten also auch, MIT den ängsten alles lebendigen zu leben, nervös-aufmerksam lebendig zu sein und schon eine beginnende erschöpfung auf sich zukommen zu sehen. langsam, ich meine, wirklich LANGSAM in die nähe dessen zu kommen, was psychisch aushaltbar ist. kaum aber ist das so hingeschrieben, scheint schon wieder das gegenteil einzutreten. nach einem wort von hölderlin [„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“] ist in jeder gefährdung auch ein gegenmittel enthalten.
bei einem spaziergang in die stadt hatte ich noch etwas in einer buchhandlung zu bestellen (nicht für mich). dabei stieß ich auf ein neues buch von SIRI HUSTVEDT (die autorin von WAS ICH LIEBTE, einem phantastischen buch) mit dem titel DER SOMMER OHNE MÄNNER, was ich, ohne vorher lange hineingesehen zu haben, kaufte. schon der erste satz verrät, daß ich das wohl kaum einmal zu bereuen haben werde:
"Eine Weile nachdem er das Wort Pause ausgesprochen hatte, drehte ich durch und landete im Krankenhaus. Er sagte nicht: Ich will dich nie wiedersehen, oder: Es ist aus, doch nach dreißig Jahren Ehe reichte Pause, um aus mir eine Geisteskranke zu machen, in deren Hirn die Gedanken platzten, wild herumfuhrwerkten und voneinander abprallten wie Popcorn in einer Mikrowellentüte."
("Der Sommer ohne Männer")
wem ich erklären muß, was mir an dem anfang dieses romans gefällt, der wird es ohnehin nicht verstehen, darum kann ich mir diese anstrengung schenken. mit meiner beiläufig und völlig unnachdrücklichen idee von xy-art (im vorigen eintrag) als katastrophenkunst habe ich das ALLGEMEINE und das KONKRET-PERSÖNLICHE im blick gehabt, ohne diese idee selber im griff zu haben. ja, eine richtige idee ist immer größer als derjenige, der sie hat.
diesen eintrag aber OHNE MÄNNER in anlehnung an das siri-hustvedt-buch zu nennen, kombiniert meine nicht wirklich durchdachte idee von xy-art als katastrophenkunst (des allgemeinen dahinlebens) mit der plötzlich ausbrechenden geisteskrankheit bei einer frau, deren mann sich von ihr in einer beiläufig und kaschiert vorgebrachten ankündigung von ihr trennte. das jedenfalls scheint die hustvedt in ihrem buch zu erzählen (das ich ja noch nicht gelesen habe) — und den nachrichten dieses tages. alle diese halb disparaten aspekte einer einzigen ausgesparten, nicht ausformulierten angelegenheit mögen in einer vorstellung gipfeln, die diesem eintrag ihren namen verliehen hat: OHNE MÄNNER
überall verkünden irgendwelche inter viewten menschen, sie seien (immer noch) geerdet, boden ständig oder sonstwie schwerkraftgeschädigt
auf dieser kultur spielt xy-art
y of a rouser Yertifikation line
im belanglosen beginnen, das heißt im beziehungslosen [=KATASTR
OPHa
len] beginnen, im nachhinein mit den möglichkeiten von beziehung, bedeutung spielen, im entfernten operieren, das könnte xy-art [=KA
TASTROP
Hartig] sein. einfach beginnen, sich wundern, daß man so und nicht anders begonnen [=KATASTR
O
PHart] hat, obwohl man doch anders hätte beginnen können, die einschränkung von freiheit durch gefällte entscheidungen. zu relativen rückfügungen ansetzen, sich verlieren auf unkontrolierten bewegungen. im sich verlieren orientierungsarbeit leisten, jaa, auch das könnte xy sein, eine form von IRGENDWAS [=KATASTROPHalen], dem todfeind des VORTREFFLICHEN, nicht wahr?!
im belanglosen beginnen, das heißt im beziehungslosen beginnen, im nachhinein mit den möglichkeiten von beziehung, bedeutung spielen, im entfernten operieren, das könnte
xy-art
sein. einfach beginnen, sich wundern, daß man so und nicht anders begonnen hat, obwohl man doch anders hätte beginnen können, die einschränkung von freiheit durch gefällte entscheidungen. zu relativen rückfügungen ansetzen, sich verlieren auf unkontrollierten bewegungen. im sich verlieren orientierungsarbeit leisten, jaa, auch das könnte xy sein, eine form von IRGENDWAS, dem todfeind des VORTREFFLICHEN, nicht wahr?!
im belanglosen beginnen, das heißt im beziehungslosen beginnen, im nachhinein mit den möglichkeiten von beziehung, bedeutung spielen, im entfernten operieren, das könnte xy-art sein. einfach beginnen, sich wundern, daß man so und nicht anders begonnen hat,
obwohl
man doch anders hätte beginnen können, die einschränkung von freiheit durch gefällte entscheidungen. zu relativen rückfügungen ansetzen, sich verlieren auf unkontrollierten bewegungen. im sich verlieren orientierungsarbeit leisten, jaa, auch das könnte xy sein, eine form von IRGENDWAS, dem todfeind des VORTREFFLICHEN, nicht wahr?!
aber herr minister, wer hätte das von Ihnen gedacht?!
kaum ist der eine – großartige – aus dem deutschen hochadel gegangen, ist ein neuer – aber überaus sachlich auftretender – vertreter einer hugenottischen adelsfamilie, nämlich THOMAS DE MAIZIÈRE, gekommen, um unsere nationale verteidigung am hindukusch und sonst überall zu organisieren. so haben wir eine kontinuität des soziologischen herkommens, aber einen bruch in der charakterlichen disposition von großartig-feudal nach hugenottisch-calvinistisch, preußisch-sachlich. und daß dem so ist, konnten wir in einem tv-interview erleben, in dem sich der tatsächlich noch promovierte jurist de maizière ein wenig, ein klitzekleines bißchen dem boulevard-journalismus öffnete und über sein familienleben auskunft gab. so hat er tatsächlich eingestanden, daß er im kreise seiner lieben spiele spielt, unter anderen auch mensch ärgere dich ...äh ... nicht. dann schickte er dieser an schon riskanten information folgenden satz hinterher:
"ja, wir lassen da schon mal die sau raus."
ja, so schaut's bei den calvinisten aus, wenn sie sich freude und lust hingeben – bis zu einem vertretbaren maß natüüürlich. oder wie haben wir uns das vorzustellen, wenn jemand beim mensch ärgere dich nicht die sau rausläßt. in kombination mit der entledigung von kleidungsstücken pö auf po vielleicht auch noch? wir wissen es nicht. aber gerade hochgradig kontrolliert auftretende menschen (wie unser neuer, von seinem scharfen intellekt gezeichneter oberster, sehr defensiver defender) müssen ja irgendwo auch mal die zügel locker lassen, warum nicht bei einem ungezügelten mensch-ärgere-dich-nicht-spiel, einem bekannten gesellschaftsspiel zur erlaubten affektabfuhr. unser alter, immer noch junger freiherr dagegen hat, wie da und dort zu hören war, im ministerium ab und zu, aber nicht gar so selten einem dem jähzorn nahen anfall gefrönt, während er bei laufenden kameras so was von locker war – das kann nur ein fränkischer dem sinnengenuß nicht gänzlich abholder katholik in dieser bandbreite hinlegen.
wo wir auch hinkucken, die welt ist voll, von was auch immer. da kommt doch tatsächlich ein fernes verständnis für die einsiedelei in der wüste auf. um diesem bedürfnis maßvoll zu begegnen, suchen wir eine ersatzlösung, etwa einen spaziergang zu einer zeit, wo wir auf menschenleere straßen hoffen dürfen.