bei aller liebe: sich selbst und seine freunde und alles mögliche andere gut zu kennen, ja ja, das ist schon wichtig, ja ja
aber überhaupt noch ein sensorium zu haben für die weniger beleuchteten fremdheiten, auch "in" oder in uns selbst, das ist ebenso wichtig; fremdheiten, die sich nicht so ohne weiteres (wenn überhaupt) beschreiben oder gar erKlären lassen, die aber dennoch - und das ist die eigentliche aussage - nach ausdruck verlangen und wahrnehmung brauchen.
wir kommen nicht restlos an in dieser welt, es bleibt immer etwas zurück, das mit uns nicht herauskommt.
es gibt also nicht nur fremde welten an den äußeren erfahrungsrändern
auch das sogenannte innere steht uns nur mittelbar zur verfügung,
schauen Sie hier:
hallo!!!
(auto)biographie ist (im günstigen fall) der selbstbezug, mit dem sich ein mensch mit sich selbst einigermaßen stabil vertraut gemachen hat — nach maßgabe seiner gewordenheit; der vertraute raum ist der helle raum der (er)klärung, der zuverlässigen bestimmtheit etc
dass Sie, meine damen und herren, an sich selbst arbeiten, in sich selber ein projekt entdeckt haben, aus ihrem persönlichen, individuellen erleben schöpfen, in ihrer eigenen biographie ein gestaltungsobjekt erkannt haben, nie aufhören wollen zu lernen, von sich selbst begeistert sind, hier haben wir den schuldigen ausgestellt
apropäng: haben Sie schon mal vom Mont Ventoux herunter gekotzt?
so spricht also schweikart ein nicht entfernter verwandter herrn v. u. z. scheußenbachs:
"... und so winke ich Euch nach ..."
manchmal will man nur schreiben, um zu schreiben, aber schon diese aussage trifft es nur ungefähr und ist sicherlich nicht sehr einladend. und wenn man zu den redselig disponierten charakteren gehört, redet man aus schlechter gewohnheit in gegenwart irgendwelcher anderen drauflos und weiter, ohne darauf acht zu haben, ob die zuhörer schon verloren sind, bevor sie überhaupt gewonnen waren. es ist vielleicht auch ein gefühl für das allein-sein unter anderen allein-seienden – in dieser steppe, die vom applaus und der sucht nach anerkennung und mitgefühl noch nicht ganz und gar ausgedorrt ist. und schon wähnen wir uns in der nähe einer rettenden aussage, die vielleicht bei näherer betrachtung eine überraschend anhaltende anziehungskraft auf uns hat, nämlich diese: lieber leser, gleichgültig welcher umstand dich bis hierhin getragen hat, raste ein wenig, labe dich an dieser ausfabulierten ratlosigkeit, denn was wir brauchen, ist nicht rat, nein, was wir brauchen, ist raum, der wirklich raum ist, geräumter raum, in dem nichts von uns verlangt wird, absolut nichts, der uns nicht bedrängt, der uns in ruhe sein läßt; diesen raum hält man nur aus, weil er nicht vortäuscht, wohnraum zu sein, nicht eingerichtet oder irgend sonst bearbeitet sein will, der nur im durchgehen und durchleben seine bestimmung bekommt und daher winke ich dir, weil das der gruß ist, der den vorüberziehenden gilt, nach ...
ein leerer raum ...
kann insbesondere deswegen zur deutung einladen, weil er quasi voll von einem selbst ist. aber. es gibt doch phasen, momente, etappen in jedem leben, die nur noch durch ratlosigkeit beschrieben werden können. oder besser gesagt, die so beschrieben werden könnten, wenn ratlosigkeit als ein resumee überhaupt zugelassen wäre, und nicht nur zugelassen, sondern als der möglichkeit nach wertvoll, – schon insofern sie einen dann entlasten würden von dem zwang, antwort zu geben, von dem wir nicht, nicht völlig oder eigentlich gar nicht befreit werden können.
wir können uns doch nicht in einem augenblick aufhalten, normalerweise; aber wenn wir begreifen, dass der augenblick durchgängigkeit bedeutet, so würden wir es vielleicht verstehen lernen, den leeren augenblick wie den leeren raum zu durchleben. es ist als würde man plötzlich merken, schon unterwegs zu sein, während man noch überlegt, was an gepäck und proviant mitzunehmen sei. dann LÄSST man es einfach besser SEIN. es wird schon reichen, was einem mitgegeben ist, liebe frau I. (und Oh!)