Wieder einmal hat Don Cojote sich eines ausgewilderten Textes bemächtigt, den ihm ein trauriger Musenheini hat vorenthalten wollen. – Oder bildet er sich das ALLES nur ein? Jetzt, wo er sich umblickt in allen Winkeln seines weiten Gedächtnisses, kann er nichts entdecken, was auf ein Leben vor dieser Prosa schließen lässt, noch auf irgendein anderes Wort ... Er steht wie in einem zerrissenen Hemd hier – vor Euch, den Lesern, die auf die Welt kommen wollen. Einem Text entsprungen, in den er irrtümlich, wie er der festen Überzeugung ist, hingeraten war, in diese Worte, wie sie hier hervorspazieren. Und wenn sie überhaupt etwas Verständliches an sich haben, dann ist es genau diesem Umstand zu danken, dass er IRGENDWIE, genauer ist es nicht zu sagen, da durchgefunden und überall seine lustvoll gehässigen Spuren hinterlassen hat. Diejenigen nämlich, die sich als Autoren, Dichter und dergleichen hervortun, vor allem diejenigen, die sich mit ihrer Ehrlichkeit brüsten und in die Welt posaunen, machen wir uns doch nichts vor, sind nicht auszuhalten. Die kommen einem wie gerufen. Da steht er mit aufgekrempelten Ärmeln im Anschlag, er, der er von allen Eingeweihten nur der ANDERE, aber auch gern der DON COJOTE genannt wird, muss diese mit sich selber Identischen, sich selber auf den Leim Gegangenen vom Himmel herunterholen und - wie wir in unserem Verein sagen: überhaupt erst sündenfähig machen, indem er diesen Angsthasen ins Ohr den entscheidenden Befehl flüstert: LEBE, DU LAHME ENTE!
Denn was ist es anderes als Angst, das einen dazu bringt, die Fremdheit, welche in jedem Lebewesen auf der Lauer liegt, nicht wahrhaben zu wollen. Was ihn, den Don Cojote, dagegen umtreibt ist die Gewissheit, der immer Andere zu sein.
liebe leserinnen! an euch richte ich mich. da ihr nach erschütterung fiebert, da ihr ins wanken kommen wollt, will ich tun, was zu tun ist. höret: es gibt mich, und es gibt mich nicht, wenn ihr versteht, was ich meine. was mich umtreibt, ist eine gar unheimliche ahnung, ein wesenloser, ein immerzu anderer zu sein.
ich stehe offenbar im dienste eines höheren leichtsinns – und das scheint mir ein schwieriges amt, ja, ja ... und weil dieses mein ich ein jeweils geliehenes ist; das ist wohl für alle die ich-versessenen paranoia-tiere und eigenheimbewohner eine schier unvorstellbare kondition, doch ich rufe diesen allen entgegen, ihr seid doch auch mehr oder weniger: umzugstiere. (wie oft zieht ihr euch um? wie oft seid ihr umgezogen?)
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da und dort werdet ihr mich bei euren lektüren entdecken können, gleichwohl ich mir eine zurückhaltung auferlegt habe, die mir niemand zutraut, der mich halbwegs kennt. ich habe versucht, zwischen den zeilen, zwischen beteiligt- und unbeteiligtheit, zwischen ausgesprochen- und unausgesprochenheit, gleichsam auf schleichpfaden durchzukommen – um schließlich mit unwiderstehlicher energie aus diesen texten wie phönix aus der asche hervorzugehen. eine bravourleistung der selbsthervorbringung, wie der berühmte baron m., der sich am eigenen schopfe aus den wassern gezogen hat. ich bin der DON COJOTE, wächter und schutzteufel all dieser einträge.
Mit mir ist die grenze markiert, wo der text endet und die welt e geheimen quellen einer jeden geschichte, eines jeden lebens darstellen.
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ie grenze markiert, wo der text endet und die welt beginnt; und es gibt st teuflische, kleine stellen, heiligen chaos angehören und die die geheimen quellen einer jeden geschichte, eines jeden lebens darstellen.
Mit mir ist die grenze wo der text endet und die welt beginnt; und quellen einer jeden geschichte, eines jeden leb darstellen.
als er in den auch schon ziemlich herumirrenden 70er jahren in HD auf dem bismarckplatz mal wieder saudumm herumstand, auch weil dort eine stadtverrückte figur agierte, um mit trillerpfeife im mund und entsprechender verkehrspolizeilicher körpersprache den straßenbahnen hinterherzupfeifen, da sah er (= ein altes ego) mehr oder weniger plötzlich am eingang des KAUFHOFES, der dort ebenfalls saudumm herumstand, turmhoch aufgeschichtet weiße schallplatten, die er sich umgehend(!) aus der nähe betrachtete. da gab es für ein paar mark die ganze klassische musik rauf und runter zu kaufen. bis dahin war das für ihn nur quälende schule gewesen, aber jetzt kaufte er sich im zustand beginnender geistiger auflösung (durch universitäre übergriffe auf seine schutzlose seele) bestimmt zwanzig solcher dinger. zuhause, in der studentenbude, fing er also an donizetti zetbe zu hören, etwa die lucia di lammermoor (die ihn schon allein wegen des namens ansprach) oder auch den don pasquale. besonders eine von sarasate komponierte phantasie auf carmen* hatte es ihm angetan. nicht dass ihm diese musik in die wiege gelegt war und also vertraut, nein das gegenteil war der fall. es war nicht so, dass sie ihm von da an gefallen hätte, das wäre das falsche wort, nein, er musste sich für sie entscheiden, er hatte sich für sie entschieden, weil sie GROSS war, wie sie damals, seine zwei freunde und er, sagten, wenn sie ihre kommilitonen erschrecken wollten. wenig später lernte er obendrein noch die filme von werner schroeter kennen, die sowas von abgefahren und maria callasisch waren, daß sie mit stegreifvorträgen ausgestattet die ganzen altstadtkneipen und ihre studenten damit überziehen konnten. die große geste der oper war zu unseren bevorzugten kampfinstrumenten geworden, und wenn wir eine ätherische studentin ausmachten, breiteten wir unsere ganze schrecklichkeit aus in großer geste – lasst uns hier schnell ein mäntelchen drüberwerfen ... und beten
was hat der laut mit dem buchstaben zu tun? wie entsteht aus dem geformten atem, dem ein-und-aus von luft, dem rhythmisiert gegenläufigen*, aber unaufhörlichen stoffwechsel mit der erdathmosphäre unser SPRECHEN?
wie eng ist hier, in diesen zusammenhängen, das leben verkoppelt in sprache und atem. warum und wodurch kommt dieses urmenschliche ausdrucksverhalten des sprechens aus seinem existenziellsten aller stoffwechselarten mit seinem lebensraum, der alles umhüllenden einen luft?
schon die so formulierten fragen lassen eine welt aufscheinen, in der angst und mut noch eins sind, weil es uns, wie wir hier sprechen, so gar nicht gibt. denn wir sind so in einen unauflöslichen zusammenhang gebettet, der uns, als die wir hier uns im BEWUSSTSEIN haben, unendlich übersteigt. denn unser beginnendes leben im urschmerz der nabeldurchtrennung ist verbunden mit dem einsetzen des ersten luftschnappens, unseres atmens, das, wäre er von unserem bewusst geführten leben abhängig, andauernd ins stolpern käme. wir würden vor angst gar nicht leben können.
der sich selbst wahrnehmende atmende mensch erlebt sich in seinem atmen: wenn er etwa "außer atem" ist, vor erschöpfung nach luft japst oder im wohlgefühl vergnüglich brummt, der atmende, sich selbst wahrnehmend hörende mensch nimmt sein atmen, sein "vegetatives kommunizieren" mit dieser unserer athmosphärischen umwelt formend auf und kommt dergestalt aus der unspezifischen in die gerichtete kommunikation des LAUTENs, daher liegt es auf der hand, daß eine fundamentale beschäftigung mit diesem phänomen noch aussteht
der verschlusslaut: [gh] erzeugt in seiner atemtechnischen realisierung (das ist natürlich ein rein spekulativer gedanke) das GEGEN als das doppel-gh [=ghgh](en) die iteration des verschluss-[gh] ist das anhalten im verschließen als (ab)-grenzung, entgegensetzung, widerstehung (OBSTATIV würde ich es nennen – sozusagen als ur-modus allen sagens, aus welchem sich die modi von indikativ, konjunktiv, imperativ als ableitungen verstehen ließen)
*das gegen(läufige) in gegen ist im doppel-g schon lautlich "materialisiert" (der ausdruck ist insofern auch berechtigt, wie wir etwa auch vom lautkörper sprechen)
jede materialisierung, vergegenständlichung ist ergebnis einer wechselwirkung, die wir wahrnehmung nennen, zwischen einem aufnehmendem/speicherndem/erinnerndem medium und einem abgebendem/gegebenem/expressivem medium. in wahrheit haben wir es mit einem prozess zu tun, der in die eine wie auch in die andere, entgegengesetzte richtung darstellbar ist. die richtung wird allein bestimmt, in unserer sprachlichen realisierung, durch den "sprecher", das, was wir auch standpunkt in einer relativen (eben auf einen sprecher/beobachter/wahrnehmer bezogene) aussage nennen.
gegenstand heißt immer auch gegenstand einer aussage, das objektive ist das entgegenstehende, etwas, über das es kein umhin gibt, es thematisert sich gleichsam von selbst, — das alles ist in dem verschluss-laut, in dem quasi angehaltenen atem, in dem gegenstand, das einen sozusagen in atem hält, vorgezeichnet
etwas begegnen, heißt auch halten, innehalten, nicht einfach so weiter können im atmenden gleichschritt (atmen und schreiten), etc.
"... das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat."
am ende des prinzip hoffnung von ernst bloch heißt es: "Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat."
auch wenn das principium das ist, was der wortbedeutung zuvorderst heißt: anfang, dann steckt in dieser urbedeutung vor allem auch das anfang stiftende und auf allen (entwicklungs)ebenen wiederkehrende prinzip – so haben wir einen tieferen begriff, nämlich den blochschen von prinzip, wie er etwa im wort der prinzipienreiterei sozusagen im flachen versandet ist (weil damit ein starres festhalten verbunden ist). principium meint so gesehen auch das aufbrechen in eine neue zeit, etwas, das bestenfalls in träumen 'vorgescheint' war (in anlehnung an blochs kategorie der ÄSTHETIK des VORSCHEINS), das tagtraumhaft aus der kraft eines antizipierenden bewußtseins zur ankündigung gekommen war
die sprache blochs ist besser zu verstehen, wenn wir uns den (literarischen) deutschen expressionismus vergegenwärtigen
auch wenn ich bloch heute, nach vielen jahren der ersten lektüren, kaum noch lesen kann, so ist, davon abgesehen, daß ich in meinen jungen jahren bloch regelrecht verehrt habe, das staunen (auch eine zentrale kategorie in seiner philosophie) über das komplexe phänomen des traums geblieben. das staunen nämlich bewahrt einen davor, sich allzuschnell in bewährte antworten zu verlieren, reflexhaft die gegenstände auf distanz zu halten, deren nähe wir doch eigentlich suchen. so sind viele antworten doch mehr eine abwehr von fragen, mit denen wir leben müssen, schon insofern es für diese fragen, die einen ein leben lang umtreiben, keine endgültigen antworten geben kann. die sprache des traums, in der nicht wir selber zu wort kommen, sondern, wenn wir dieses angestrengte wort aushalten wollen, unser SEIN. es ist, als ob in diesen träumen, insbesondere den sogenannten wach- oder tagträumen, eine welt spricht, wie sie noch nicht ist. (das noch-nicht-bewußte ist eine weitere zentrale kategorie der blochschen philosophie)
träumen im wachen muß nicht nur als wirklichkeitsflucht gesehen werden, die es auch sein kann. träumen, in dem gegenwärtigkeit ist, mit der betonung auf GEGEN, heißt auch einer realität zu WIDERSTEHEN (widerstandsfähigkeit, robustheit), mit der wir uns abfinden sollen, weil das vielleicht für die einen oder anderen von interesse ist.
wir könnten das wort vom wachträumen modifizieren und von wachen träumen sprechen — und die gibt es, solange menschen der freiheit verpflichtet bleiben
kein lebewesen lebt mehr von unterscheidung als der mensch — und im unterschied zu allen anderen lebewesen ist der mensch das tier, das KEIN tier ist, nämlich ein untier. (darin ist doch schon angedeutet, daß der mensch das tierhafte in eine richtung zu steigern in der lage ist, das den grad seines nicht mit sich einverstanden seins maximalisiert hat) der mensch ist das wesen, das mit sich im elementaren sinn nicht einverstanden ist, das sich im spiegel des BÖSEN betrachtet, um mithin zu sagen: wir, die menschen, haben auf den rechten, den aufrichtigen weg zu kommen. denn die in uns angelegte sucht nach beSONDERung (woraus sich wohl auch das wort SÜNDE ableitet) spielt doch der teufel (der herr der abweichung und sozusagen der geist aller individualität). denn individuum ist man nur durch die versuchtheit, einen abweichenden, einen sonderweg zu gehen und sozusagen dem antisozialen impuls zu frönen, nämlich wie gott sein wollen, also herr des eigenen schicksals; eine wahrheit und zugleich eine illusion, aber eben eine unabdingbare, etwas, das jeder mensch, sofern er mensch ist, zu durchleben hat; also richtet er sich auf, vielmehr geht mit der aufrichtung auf zwei beine das verlangen einher, AUFRECHTHEIT als einen wert von dauer zu etablieren. aufrecht sein und nicht-böse ist gleichsam der WERT, der gegen ihn, den mensch, selber steht, entgegensteht, also dergestalt gegenstand wird und also THEMA, das thema nämlich des menschen, das ihn gegen sein TIER-THEMA in stellung bringt, eben gegen das rein nackte ÜBERLEBEN, den gattungsimpuls schlechthin. natürlich bleibt ihm sein "tierthema", das überleben, aber er darf es nicht mehr ungebrochen singen, er muß auch noch darüberhinaus lieb werden, das ist das mitsein mit anderen, mitleiden. er soll sich also wandeln in das mitfühlende, mitleidende wesen da nun das überleben beim menschen unter das fällt, was wir ARBEIT nennen, das ist im grunde das bestellen der welt gegen andere welt-nützer, so ist, wenn wir den lebenskampf in der natur als die ursache des BÖSEN ansehen wollen, die arbeit, das "zivilisert böse", die moderierte form der grausamkeit der natur vom fressen und gefressen werden. und alles, was wir im weitesten sinn unter das feld der arbeit rechnen, bringt uns den leitmotivischen begriff des arbeitenden menschen: den NUTZEN, die NÜTZLICHKEIT. das gegen die "böse", sagen wir ruhig auch: überlebensstarke seite des menschen gesetzte thema ist also das tun ohne zweck, das nicht einem nutzen verpflichtete tun. das tun um seiner selbst willen. dafür sagt der mensch braucht er MUßE. also ein feld gegen NUTZEN und ARBEIT. die christliche variante ist dafür der SONNTAG, da darf nicht gearbeitet werden, da gilt es nur zu SEIN, mit dieser "kleinen" einschränkung, daß dem nutzlosesten aller wesen, dem unlebewesen alias GOTT zu huldigen ist (opfergaben zu bringen auf dem altar).
wer je noch diesen christlichen sonntag als junger mensch in einer gemeinde erlebt hat, nämlich als einen tag des KIRCHGANGSs zur HEILIGEN MESSE, dem wird diese vertracktheit der christlichen auffassung von der nutzfreien zeit, der vorgeblichen muße, so richtig geläufig sein. dem wird die zeit der befreiung vom nutzen und von der PFLICHT, so richtig als die vollendung zur UNFREIHEIT geläufig sein
wir wollen hier einen beitrag etablieren zu befreiung der muße aus diesen christlichen klauen, die ja mittlerweile ein richtiges problem haben, den modernen menschen zu erfassen. insofern ist dieser befreiungskampf eigentlich schon gewonnen. die gotteshäuser sind leer. aber andererseits leider auch die muße. die muße ist in den nutzen einer globalen unterhaltungsindustrie gestellt. und diese so sich einstellende leerheit der muße besteht gerade darin, daß die nutzlosigkeit, die nutzenferne, die nutzleere der muße von der industrialiserten welt der arbeit, wo nutzen auch noch durch effizienz immerfort gesteigert werden soll, in kaufbare waren verwandelt ist. und alles, was verbrauchen, was konsumieren ist, hinterläßt ein gefühl der leere. überall herrscht diese leere verbrauchsmuße, die in wahrheit das gegenteil von muße ist, denn diese mußeninhalte sind wie pharmazeutische produkte wirkstoffbestimmt. glück, trauer, freude verwandeln sich in pillen. etc. dabei ist der sonntag, welcher ursprungsvergessen aber noch in (un)bewußtseinsresten die christliche opfermentalität wie ein schlechtes gewissen ohne inhalt enthält, vielleicht ein weg zur rückgewinnung der muße. schauen Sie, in diesem einstmals berühmten film finden Sie alles, was das vielfach gebrochene sonntagsthema ausmacht. von der – karl-valentinesken – saudummheit des sonntags bis zur müßigen stimmung einer übernutzten welt, von der melancholie bis zur aufheiternden launigkeit einer erwartungsbefreiten lebenssphäre