.. es geht eine träne auf reisen oder ... wie aus ruck ein zuck wird
der rücktritt des bundespräsidenten horst köhler hat in der jetzt stattfindenden öffentlichen debatte auch gezeigt, daß sein scheitern auch darin als begründet angesehen wird, daß er als sogenannter seiteneinsteiger dem politischen geschäft fremd geblieben ist, daß er es nicht verstanden hat, seine "wahrheiten" in den politischen kontexten, inbesondere in der apparatur des eigenen amtes, zu plazieren. er, der in der bevölkerung insgesamt kein schlechtes ansehen hatte, war dem gegenwind politischer kritik ausgesetzt. ihm nicht standgehalten zu haben, wird ihm als kritik anhaften und vermutlich auch persönlich noch lange zu schaffen machen. schon macht das wort die runde, er habe den lafontaine gemacht — aus dieser nummer wird er also nicht so schnell herauskommen. es entspricht der allgemeinen gepflogenheit, über die politische kaste herzuziehen. von wegen diesen da, die alles versprechen und nichts halten. es ist der wähler, der politische arbeitsplätze sichert oder abbaut. in unserem in dieser hinsicht fatalen föderalen system, das uns einen dauerwahlkampf beschert, in dem jede landtagswahl mehr oder weniger unter bundespolitischen aspekten veranstaltet wird, bewerben sich die politischen protagonisten, das darf nicht vergessen werden, ja immer auch um arbeitsplätze. der bedarf an illusion, um das wort der lüge zu vermeiden, ist in der bevölkerung nicht zu unterschätzen. dem charmanten lügner setzt man sich im allgemeinen lieber aus, als dem penetranten verkünder unangenehmer wahrheiten, es sei denn, er hat etwa nicht darüber zu entscheiden, wie hoch zum beispiel die steuern ausfallen. der darf dann wie der bundespräsident, militärische aktionen, kriegsgleich oder -ähnlich, auch in den zusammenhang mit sicherung wirtschaftlicher interessen stellen, also etwas aussprechen, was jeder weiß. unser höchster vertreter unterstützt uns in der beschimpfung der politischen entscheidungsträger, die wir oft so behandeln, als hätten nicht wir sie gewählt, als hätten sie mit uns nichts zu tun. ein starker bundespräsident darf uns eben nicht nur an unsere ideale erinnern von gerechtigkeit, freiheit und brüder-, verzeihung, schwesterlichkeit, sondern muß auch schlau sein, er muß sich im politischen struggle auch behaupten können, um am ende nicht nur belämmert und händchenhaltend mit seiner frau vor die mikrophone zu treten und kritik an seiner amtsausübung, so ungerecht oder ungerechtfertigt sie auch sein mag, als respektlosigkeit gegenüber dem amt verkünden. ich jedenfalls weine ihm keine träne nach.
etwas, das ein nicht anwesendes anderes anwesend macht
das phänomen, die erscheinungggggggg
und, wenn man so will, fängt das zeichen schon an ... IST das zeichen in diesem etwas, wovon es ein zeichen ist, als das sichtbare, be-deutende eines dings, und dies ding kommt zu uns durch bedeutung und bezeichnung, ja, und das zeichen ist sozusagen die trennende und zu gleich verbindende (transfer)strecke zwischen geist und materie. und es ist ein traum, ein spezieller traum: unsere REALITÄT. so haben wir in diesen zeichen die welt, die nur da ist, wie sie sich uns zeigt und von uns geschieden ist, als gäbe es uns und die welt in einer solchen dualität, die wir erleiden und zugleich aus uns hervorbringen, das ist schöpfung ...
was ist ein zeichen?
etwas, das auf etwas anderes verweist
etwas, das ein nicht anwesendes anderes anwesend macht
das phänomen, die erscheinungggggggg
und, wenn man so will, fängt das zeichen schon an ... IST das zeichen in diesem etwas, wovon es ein zeichen ist, als das sichtbare, be-deutende eines dings, und dies ding kommt zu uns durch bedeutung und bezeichnung, ja, und das zeichen ist sozusagen die trennende und zu gleich verbindende (transfer)strecke zwischen geist und materie. und es ist ein traum, ein spezieller traum: unsere REALITÄT. so haben wir in diesen zeichen die welt, die nur da ist, wie sie sich uns zeigt und von uns geschieden ist, als gäbe es uns und die welt in einer solchen dualität, die wir erleiden und zugleich aus uns hervorbringen, das ist schöpfung ...
in der ZEIT heute, im feuilleton, stehen zwei artikel, die mir sofort ins auge stachen, aua. ein herrliches interview mit dem jetzt tatsächlich 90jährigen reich-ranicki, das ich sofort verschlang. wunderbar, weil hier an der großen schwelle, die uns allen bevorsteht, ein text entgegnet — zu beinahe allem passend-unpassend, was ein mensch nur sagen kann. dieser schwellentext eines greisen wortkriegers gibt nur die eine auskunft: ich bin für nichts und niemanden mehr zuständig. und tschüß. hier zeigt sich grandios, daß verzweiflung und amusement kein unüberwindbarer widerspruch darstellen. ja, daß unterhaltung letzten endes(!) immer gegen den tod gesetzt ist. sie funktioniert allerdings nur, wenn das nicht bis zur bittersten konsequenz explizit gemacht wird. insofern ist eine solche bemerkung das grausame gegenteil von unterhaltung.
"Ich bin nicht glücklich. Ich war es nie" — diese auskunft des jubilars(!) steht über dem interview. und tja glück, das ist wohl informell so was wie raffinierter zucker, dem inbegriff ballaststofffreier nahrung. zucker und glück. ballaststofffreie unterhaltung ist informeller zucker. auf dauer höchst ungesund.
alles, was mit der frage nach dem oder einem leben zu tun hat, scheint aber doch auf die frage nach glück überhaupt rauszulaufen. aber diese frage(rei) nach glück und dergleichen, mein gott, ist ein gesellschaftspiel, das irgendwann nur noch langweilt. jede ballaststofffreie unterhaltung hinterläßt diese pappsüßen nachgeschmäckchen und ist irgendwie von uneingestandener, nicht durchlebter langeweile grundiert.
der meister zeigt sich nicht darin, wie er fragen zur allgemeinen zufriedenheit beantwortet, sondern wie er sie quasi an die wand nagelt mit dem gestus: schaut her, da hängt sie eure ewige frage nach x oder y. der meister hält den fragen stand, und das ist seine antwort. fragen müssen wie das leben selbst ausgehalten werden. "Ich hatte Freude daran, daß jeder Tankwart mich kannte" ja, literatur ist schließlich eine zumutung. und zum schluß hält man nur noch menschen aus, die sich (vermutlich) von ihr ferngehalten haben. natürlich stimmt auch das gegenteil. die welt muß ausgedrückt werden. so oder so.
fortsetzung folgt (zum zweiten artikel in eben dieser ZEIT-ausgabe über väter und sigmund freud)